Donnerstag, 25. Oktober 2012

Oberösterreich heute - Ganztagsschule Franckviertel

Oberoesterreich-heute-Ganztagsschule

Immer mehr Ganztagsschulen in Oberösterreich >> orf.at

Immer mehr Volks- und Hauptschulen in Oberösterreich öffnen ihre Tore nicht mehr nur am Vormittag, sondern auch am Nachmittag. Die zwischen ÖVP und SPÖ jahrzehntelang umstrittene Ganztagsschule breitet sich langsam, aber kontinuierlich aus.
Im Sommer bekannten sich namhafte ÖVP-Politiker erstmals klar zu dieser Form, bei der die Kinder den ganzen Tag in der Schule unterrichtet und betreut werden. Seit diesem Herbst bietet in Linz mit der Volksschule 33 in der Franckstraße die erste Pflichtschule eine „verschränkte Ganztagsschule“ an, also abwechselnd Unterricht, Freizeit und Lernstunden.

 

Jahn: Wahlfreiheit ist wichtig

Bei der Eröffnungsfeier am Mittwoch unterstrich die Klubobfrau der SPÖ im Landtag, Gertraud Jahn, wie wichtig für sie die Wahlfreiheit in der Schulfrage ist. Das Angebot der verschränkten Ganztagsschule fehle derzeit noch an vielen Orten, wobei es sich nach Jahns Meinung bei dieser Schulform das „Modell der Zukunft“ handle.

 

Enzenhofer: Ganzjährige Angebote wären wichtig

Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer (ÖVP) fragt, ob man „alle anderen auch verpflichten muss, nur weil ich dort eine Lösung brauche. Es soll aber „in erreichbarer Nähe“ für jedes Kind ein ganztägiges Angebot geben und das sogar ganzjährig: „Wir brauchen ganzjährige Angebote, nur brauchen wir dafür ausgebildete Freizeitpädagogen.“

 

Altrichter: Abwechslung und Freiräume

Herbert Altrichter, Professor an der Linzer Johannes Kepler Universität, hält es für wichtig, für die Kinder einen Tagesrhythmus, der mit biologischen Rhythmen übereinstimmt, zu schaffen, wenn die Schüler den ganzen Tag in der Schule verbringen sollen. Altrichter hält die verschränkte Ganztagsschule, für die Form, „die man sich wünschen müsste“. Ganz wichtig sei aber auch die Abwechslung und das Schaffen von Freiräumen für die Schüler, so Altrichter.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Brain Days 2012 - Ein voller Erfolg!



Das Schul- und Erziehungszentrum (SchEz) und der Sozialdemokratische LehrerInnenverein OÖ (SLÖ) veranstalteten am 19. und 20. Oktober 2012 das Symposium „Brain Days“  mit den Themen Denken, Lernen und Fühlen aus Sicht der Gehirnforschung.

Frau Bundesministerin Dr.in Claudia Schmied hielt vor mehr als 200 TeilnehmerInnen dieses hochinteressanten Symposiums ihre Eröffnungsrede.

Unter Leitung von Frau Dr.in Manuela Macedonia vom Max-Planck-Institut für Kognition und Neurowissenschaften in Leipzig und weiteren hochkarätigen ReferentInnen der Universität Heidelberg und vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim,  konnten die TeilnehmerInnen ihren Wissensdurst nach mehr Informationen darüber, wie das Gehirn des Menschen funktioniert, stillen.
 
Ziel dieser Tagung war es, allen Interessierten den Wissenstransfer von der Erforschung des Gehirns zur Lernpraxis  zu ermöglichen. In Vorträgen und Workshops erklärten ExpertInnen, wie das Gehirn etwa bezüglich Legasthenie und Lernstörungen funktioniert und wie sich die Vorgänge in unseren Köpfen auf unser tägliches Leben auswirken.
 
Das Themenspektrum umfasste die Bereiche Aufbau und Funktionsweise des Gehirns, Sprache, Sprachentwicklung, Sprachstörungen, Lernen und Gedächtnis, Emotionen und Lernen, Musik und Kreativität, Drogen und Gehirn.           

Im Rahmen dieses Symposiums erschien auch ein Buch in Printform in limitierter Auflage zum Thema „Gehirn für Einsteiger“. Dieses Buch legt in anschaulicher und verständlicher Weise neueste und wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse darüber vor, wie man sich an dieses hochkomplexe Gebiet „Gehirn und Lernen“ herantasten kann und entlarvt so allerlei Neuromythen, Falschannahmen und trendigen, überholten Common Sense in Bezug auf dieses Gebiet.
 
Das Buch kann um 15,-- € bei folgender Adresse bezogen werden:
Schul- und Erziehungszentrum Linz - Dürrnbergerstr. 1 -4020 Linz - Tel: 0732- 603140
E-Mail: sekretariat@schez.at. Die Zusendung erfolgt per Post.





Unter den zahlreichen TeilnehmerInnen waren (in alphabetischer  Reihenfolge) Dir. Gerald Blüher, Mag. Gertraud Jahn (Klubobfrau), Dietmar Straßmair (PH-Linz), Franz Turek (SLÖ), MMag. Ursula Uhlmann (AHS).

Dienstag, 16. Oktober 2012

UNESCO sieht Millenniumsziel „Bildung für alle“ in Gefahr - orf.at

Die UNESCO kritisiert die unzureichenden Fortschritte im Kampf gegen Analphabetismus und erwartet ein Scheitern der Weltgemeinschaft am Millenniumsziel „Bildung für alle“.
Die Zahl der Kinder, die keine Volksschule besuchen, habe nach jüngsten verfügbaren Zahlen mindestens zwei Jahre stagniert, heißt es im neuen Weltbildungsbericht der UNO-Organisation.
250 Millionen Mädchen und Buben lernten weder richtig lesen noch schreiben. Viele Entwicklungsländer seien weit davon entfernt, die Ziele des Aktionsprogramms „Bildung für alle“ bis 2015 zu erreichen.

Über 160 Länder dabei

Das Programm „Bildung für alle“ der UNESCO ist eines der größten Bildungsprogramme weltweit. Mehr als 160 Länder hatten sich im Jahr 2000 in Dakar verpflichtet, bis 2015 sechs Ziele zu erreichen.
Unter anderem sollen von da an alle Kinder Zugang zu kostenloser Volksschulbildung erhalten. Diesen Punkt schrieb die Weltgemeinschaft zusammen mit der deutlichen Armutsreduzierung auch als UNO-Millenniumsziel fest.

775 Millionen erwachsene Analphabeten

Die bisherige Bilanz ist nach erheblichen Erfolgen zum Start des Programms ernüchternd. Zum einen hatten im bisher jüngsten Datenjahr 2010 weiter 61 Millionen Kinder keinen Zugang zu einer Volksschule, zum anderen ging es auch bei der Ausbildung von Älteren nur schleppend voran.
„Nach wie vor sind 775 Millionen Erwachsene weltweit Analphabeten, zwei Drittel davon Frauen“, hieß es zur Vorstellung des Berichts. Auch in diesem Bereich werde die Zielvorgabe voraussichtlich deutlich verfehlt. Sie sieht eigentlich vor, die Analphabetenrate unter Erwachsenen bis 2015 um 50 Prozent zu senken.

Auch Europa betroffen

Die UNESCO-Experten weisen jedoch darauf hin, dass es auch in Europa große Probleme gebe. Ihrer Ansicht nach sind die erschreckend hohen Arbeitslosenquoten bei Jugendlichen in Griechenland und Italien nicht nur eine Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern auch die Konsequenz von mangelnder Bildung. Selbst vor der Krise hätten mehr als 40 Prozent der jungen Griechen und Italiener fünf Jahre auf einen Job warten müssen, heißt es.
In Italien haben demnach etwa die Hälfte aller Erwachsenen Probleme beim Lesen und Schreiben, in Großbritannien ist es ein Fünftel, in Deutschland ein Sechstel. Auf der Basis von OECD-Daten schätzt der Weltbildungsbericht, dass in den Industrieländern 160 Millionen Erwachsene nicht in der Lage sind, eine Zeitung zu lesen oder sich für eine Stelle zu bewerben, weil ihnen die entsprechenden Kenntnisse fehlen.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Taliban wollen Mädchen weiter verfolgen - orf.at

Nach den Schüssen auf die Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai in Pakistan haben die Ärzte die 14-Jährige operiert und ihr eine Kugel aus der Schulter entfernt. Ihr Zustand sei ernst, teilten ihre Ärzte im Militärkrankenhaus von Peshawar am Mittwoch mit. Die Taliban kündigten indes an, das Mädchen weiter jagen zu wollen.
Am Vortag hatten die erstbehandelnden Ärzte einer anderen Klinik erklärt, Yousafzai sei außer Lebensgefahr. Ein Militärsprecher sagte, ein Ärzteteam sei auf dem Weg zum Krankenhaus, um festzustellen, ob die Kinderrechtsaktivistin eine Behandlung im Ausland benötige. Die staatliche Fluglinie Pakistan International Airlines stellte nach eigenen Angaben eine Maschine auf dem Flughafen von Peshawar bereit. Möglicherweise wird Yousafzai in eine Klinik in Dubai verlegt.

Als elfjährige Bloggerin bekanntgeworden

Pakistanische Taliban hatten die 14-Jährige am Dienstag im Swat-Tal im unruhigen Nordwesten des Landes angegriffen und auf sie geschossen. Die Jugendliche war bekanntgeworden, als sie vor drei Jahren auf einer Website des britischen Fernsehsenders BBC über Gewalttaten der Taliban in dem Tal berichtete.
Später trat sie auch wiederholt in Dokumentationen auf. Für ihre Arbeit bekam sie im vergangenen Jahr den ersten je verliehenen Friedenspreis der pakistanischen Regierung und wurde für eine weitere Auszeichnung einer internationalen Organisation nominiert.

Taliban prahlen mit Attentat

Der Taliban-Sprecher Ehsanullah Ehsan sagte, seine Organisation sei für den Angriff verantwortlich. „Sie ist ein westlich gesinntes Mädchen. Sie kritisiert uns immer. Wir werden jeden angreifen, der die Taliban kritisiert“, prahlte der Sprecher mit der Tat. Die Taliban hätten sie mehrfach gewarnt. Sollte sie überleben, werde man sie nicht verschonen, sondern weiter zu töten versuchen, sagte der Sprecher gegenüber der BBC.

Politiker empört

Montag, 8. Oktober 2012

Jugendforscher: „Sozialleben der Teenies spielt sich online ab“ - orf.at

71 Prozent der österreichischen Internetnutzer gehen mobil ins Internet. Vor allem Jugendliche sind den ganzen Tag via Smartphones mit dem Internet verbunden. Dort spielt sich das soziale Leben der Jugendlichen ab.

„Das Internet ist aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Jugendliche von der Onlinewelt abzuschneiden wäre problematisch“, so Jugendforscher Matthias Rohrer vom Institut für Jugendkulturforschung.
 

200 bis 500 Facebook-Freunde für hohes Ansehen

90 Prozent der 14- bis 19-Jährigen nutzen Facebook. Dabei spielen die Pflege sozialer Kontakte und Zeitvertreib eine herausragende Rolle. Die Onlinecommunitys dienten als Bühne zur Selbstdarstellung und Selbstvermarktung.

Eine wichtige Grundregel laute: „Du darfst kein MOF (Mensch ohne Freunde) sein“ - und das müsse man auch zeigen. Ein großer virtueller Freundeskreis bedeute „Sozialprestige in der Gesellschaft der Gleichaltrigen“, so Rohrer. „Zwischen 200 und 500 sollte man schon haben.“ Zu viele - z. B. 10.000 - würden hingegen als übertrieben empfunden.
 

Offliner sind Außenseiter

Samstag, 6. Oktober 2012

Smartphone wird zum „Suchtmittel“ - Gabi Greiner, ORF.at

Jeder kennt es aus dem eigenen Umfeld: Beim leisesten Anflug von Langeweile wird sofort das Smartphone aus der Tasche gezogen und E-Mails gecheckt, eine Statusmeldung auf Facebook eingetragen („mir ist gerade fad“) oder eine App aktiviert. Im Zeitalter der ständigen Informationsflut wird das Nichtstun offenbar immer unerträglicher. Doch das Fehlen von Langeweile birgt auch Gefahren.

Langeweile ist ein „als lästig empfundenes Gefühl des Nicht-ausgefüllt-Seins, der Eintönigkeit und Ödheit, das aus Mangel an Abwechslung, Anregung oder Unterhaltung entsteht“, heißt es im Duden. Dass Langeweile als unangenehm erlebt wird, ist also nichts Neues. Der Mensch war stets bemüht, diesen Zustand so rasch wie möglich zu beenden. Dank technologischer Hilfsmittel geht das immer schneller, und mittlerweile wird jede Sekunde freie Zeit „totgeschlagen“.

Kein Leben ohne mobiles Internet
Tablet, E-Book und Smartphone - ein leichter Druck auf den Touchscreen, und schon läuft das Berieselungsprogramm. Über 90 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen sind heute mobil erreichbar, die meisten nutzen laut dem jüngsten „Jugend Trend Monitor 2012“ Smartphones. Bereits 70,9 Prozent sind über das Handy regelmäßig in Sozialen Netzwerken wie Facebook. Im Schnitt sind die Jugendlichen bereits 73,5 Minuten pro Tag über Handy oder Tablet-PC im Internet.

Langeweile erzeugt Angst
Der Griff zum Handy wird zu einem inneren Drang, dem man kaum widerstehen kann. „Smartphones sind wie Zigaretten oder das Kauen von Fingernägeln“, schreibt der Anthropologe Christopher Lee in seinem Essay für das Evolutionary Studies Consortium. Mit Spielen, Musik, Videos und SMS stimulierten Smartphones das menschliche Verlangen, sich zu beschäftigen, wenn Langeweile aufkommt, erklärt Lynn gegenüber dem US-Sender CNN. Und dieses Verlangen werde durch die heutige Gesellschaft immer größer, glaubt Lynn.

„Wenn man einmal an die Dauerberieselung gewöhnt ist und sie fällt weg, dann weiß man nicht mehr, was man mit sich selbst anfangen soll“, so Lynn. „Ist man an Langeweile nicht gewöhnt, dann löst sie Angst aus. ‚O mein Gott, ich sollte eigentlich etwas tun.‘ Und sofort wird nach dem Smartphone gegriffen“, so der Experte.

Freitag, 5. Oktober 2012

FSG-LehrerInnen begrüßen Schmieds Nachqualifierungs-Verordnung

Damit ist langjährige Forderung der FSG-LehrerInnen erfüllt

Wien (FSG-GÖD) „Mit der hochschulischen Nachqualifizierungs-Verordnung ist für jene LehrerInnen die in den vergangenen Jahren sich intensiv weitergebildet haben der Weg offen für den Bachelor of Education“, freut sich Thomas Bulant, FSG-Vorsitzender der Gewerkschaft der PflichtschullehrerInnen. Gleichzeitig hat Schmied damit eine wesentliche Forderung der FSG-LehrerInnen erfüllt.

„Für LehrerInnen die sich viele Jahre engagiert weiter- und fortgebildet haben, gibt es endlich die entsprechende Anerkennung. Die Tür zur Akademisierung des LehrerInnen-Berufes wurde geöffnet, jetzt geht es um den Master im Rahmen der reformierten LehrerInnen-Bildung für alle PädagogInnen“, so Bulant der aus eigener Erfahrung die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Ministerium hervorhebt.

(Presseaussendung der FSG am 4. 10. 2012)

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Österreichischer Schulpreis für Linzer Volksschule: „Ein bewegender Moment" -OÖN


LINZ. Die Dorfhalleschule wurde von Unterrichtsministerin Claudia Schmied in Wien geehrt.


Eine besondere Auszeichnung gab es für die Linzer Volksschule 33 im Kasino am Schwarzenbergplatz in Wien: Sie erhielt – gemeinsam mit der Sonderschule Krems – am Dienstag Nachmittag von Bildungsministerin Claudia Schmied den Sonderpreis des Österreichischen Schulpreises. Dieser ist mit 5000 Euro dotiert. Der Hauptpreis ging an das Gymnasium Bludenz. Österreichweit haben sich 69 Schulen beworben, sechs kamen auf die Shortlist.

„Der Preis gehört den Kindern“

„Ich bin sehr stolz auf den Preis“, sagt Direktorin Ingeborg Bammer. „Es war ein bewegender Moment. Damit wird die Arbeit von uns allen ausgezeichnet.“ Aber: „Der Preis gehört den Kindern.“

Um die Sieger zu ermitteln, bewertete eine Jury die schulische Praxis anhand von Merkmalen wie Unterrichtsqualität, Umgang mit Vielfalt, Schulleben und Kooperation mit außerschulischen Partnern. „Die Volksschule 33 schafft es auf beeindruckende Weise, auf das soziale Umfeld einzugehen und dieses in das pädagogische Konzept zu integrieren“, heißt es aus dem Unterrichtsministerium.

In die Dorfhalleschule gehen 191 Schüler aus 19 Nationen, 80 Prozent der Kinder haben nicht Deutsch als Muttersprache. „Aber das ist bei uns nicht vorrangig“, so Bammer. „Wir wollen die positiven Aspekte der Vielfalt nützen.“

Seit heuer Ganztagesschule

Mit Kultur- und Kreativprojekten sollen die Stärken der Kinder entdeckt und gefördert werden. Zum Beispiel mit dem Projekt „Kultursuppe“: Eine außenstehende Person, etwa eine Mutter oder ein Vertreter eines Berufsstandes, werden eingeladen, einer Klasse aus dem Lieblingsbuch vorzulesen. Danach wird gemeinsam eine Suppe gegessen, die die Kinder vorher zubereiten. „Mir ist die Öffnung der Schule wichtig. Sie soll zum Ort der Begegnung werden“, sagt Bammer. So werden auch im lokalen Fernsehsender, dem Franckviertel-TV, immer wieder Beiträge über die Schule gebracht. „Dadurch können die Eltern an der Schule teilhaben und der Selbstwert der Kinder steigt.“

Heuer wurde bereits ein neues Projekt gestartet: Seit Schulbeginn werden zwei Klassen als Ganztagesschule geführt. (hes)

—-- Artikel wurde auf meinem iPad erstellt

Montag, 1. Oktober 2012

Die Angst der Mitte vor der (öffentlichen) Schule von Bernadette Bayrhammer (Die Presse)



Das einzige, was die Mittelschicht ihren Kindern vererben kann, ist Bildung – deshalb sind die Eltern im Schulstreit auch so nervös. Die politische Botschaft muss sich ändern, sagt der Soziologe Heinz Bude.
Die Presse: In Österreich wird erbittert über die Gesamtschule diskutiert. Man hat den Eindruck, dass der Kampf um Statusbewahrung immer schärfer wird. Können Sie das bestätigen?
Heinz Bude: Das ist ein Effekt der Nachkriegsentwicklung: Wir hatten nach dem zweiten Weltkrieg eine Phase, in der die Mitte der Gesellschaft immer breiter wurde. Diese Mitte will ihren Sozialstatus jetzt reproduzieren – und zwar über das Bildungssystem.

Was ist die Konsequenz daraus?
Vor allem für jene, die in ihrer Lebensgeschichte an Status gewonnen haben – zum Beispiel als Bildungsaufsteiger – ist es völlig inakzeptabel, dass ihre Kinder einen niedrigeren Bildungsabschluss haben als sie selbst. Das heißt, diese Menschen sind besonders sensibel, ob die Milieus, in die sie ihre Kinder in der Schule schicken, für diese förderlich sind – oder nicht.

Gibt es eine Gruppe von Eltern, auf die das besonders zutrifft?
Deutlich gezeigt hat sich das beim Schulstreit in Hamburg, wo es um die Einführung der sechsjährigen Primarschule ging. Die Grünen haben diese Reform protegiert – aber viele ihrer Wähler haben still und heimlich die Gegeninitiative unterschrieben. Das ist ein Klientel, das relativ privilegiert ist, was Bildung, Einkommen und Sozialstatus betrifft. Aber viele von ihnen haben Jobs mit prekärem Charakter: Medien, kreative Selbstständigkeit etc. Für diese Eltern gibt es ein Grundmotiv: Sie wollen ihren Kindern etwas vererben. Aber sie haben kein großes Haus, keine Firma, keinen großen Einfluss in der Gesellschaft.

Was können sie denn vererben?
Sie können Bildung vererben. Und deshalb werden sie alles tun, damit dieses Erbe nicht gemindert wird.
Daher kommt also die Verunsicherung, wenn es um die Gesamtschule geht.
Ja. Es gibt eine grassierende sozialmoralische Ansteckungsangst. Die Vorstellung, ihre Kinder in eine Schule zu schicken, in der sie mit Kindern in Kontakt kommen, deren Familien nicht so viel Wert auf Bildung legen, macht diese Eltern nervös.