Am Vortag hatten die erstbehandelnden Ärzte einer anderen Klinik erklärt, Yousafzai sei außer Lebensgefahr. Ein Militärsprecher sagte, ein Ärzteteam sei auf dem Weg zum Krankenhaus, um festzustellen, ob die Kinderrechtsaktivistin eine Behandlung im Ausland benötige. Die staatliche Fluglinie Pakistan International Airlines stellte nach eigenen Angaben eine Maschine auf dem Flughafen von Peshawar bereit. Möglicherweise wird Yousafzai in eine Klinik in Dubai verlegt.
Als elfjährige Bloggerin bekanntgeworden
Pakistanische Taliban hatten die 14-Jährige am Dienstag im Swat-Tal im unruhigen Nordwesten des Landes angegriffen und auf sie geschossen. Die Jugendliche war bekanntgeworden, als sie vor drei Jahren auf einer Website des britischen Fernsehsenders BBC über Gewalttaten der Taliban in dem Tal berichtete.Später trat sie auch wiederholt in Dokumentationen auf. Für ihre Arbeit bekam sie im vergangenen Jahr den ersten je verliehenen Friedenspreis der pakistanischen Regierung und wurde für eine weitere Auszeichnung einer internationalen Organisation nominiert.
Taliban prahlen mit Attentat
Der Taliban-Sprecher Ehsanullah Ehsan sagte, seine Organisation sei für den Angriff verantwortlich. „Sie ist ein westlich gesinntes Mädchen. Sie kritisiert uns immer. Wir werden jeden angreifen, der die Taliban kritisiert“, prahlte der Sprecher mit der Tat. Die Taliban hätten sie mehrfach gewarnt. Sollte sie überleben, werde man sie nicht verschonen, sondern weiter zu töten versuchen, sagte der Sprecher gegenüber der BBC.Politiker empört
Laut dem britischen Sender überlegen die pakistanischen Behörden nun, wie sie das Mädchen schütze können. Am Mittwoch wurde im Parlament eine Resolution beschlossen, die das Attentat verurteilte. Auch Premier Raja Pervez Ashraf und Präsident Asif Ali Zardari reagierten empört. Der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, rief zu einer großangelegten Offensive gegen Extremisten auf: „Sie hat hart gekämpft, um eine Ausbildung zu bekommen, und sie hat für den Frieden gearbeitet.“Armeechef General Ashfaq Parvez Kayani sagte, die Taliban hätten nicht verstanden, dass das Mädchen nicht nur ein Einzelfall sei, sondern mittlerweile eine Ikone der Tapferkeit. Auch durch die pakistanische Gesellschaft ging ein Aufschrei.
Geeint gegen Taliban?
In ihrem Heimatort kam es zu spontanen Protestkundgebungen, eine solche wurde auch für die Stadt Lahore erwartet. Einige Kommentatoren meinen, dass die Taliban mit dem Attentat den Bogen endgültig überspannt hätten. Es deute vieles darauf hin, dass die Widerstände in der Politik, entschlossener gegen die Taliban vorzugehen, gebrochen sind. Ihre Familie hatte nach einigen Angaben nie darüber nachgedacht, Malala besonders zu schützen. Daran, dass die Taliban so tief sinken, ein kleines Mädchen zu attackieren, habe man nicht gedacht.Laut Polizei stoppte in Mingora, dem Hauptort des Swat-Tals, ein Mann den Bus, in dem Malala auf dem Weg zur Schule war. Er habe dreimal gefeuert: Eine Kugel habe Malala getroffen, die zweite sei in die Schulter einer Schulfreundin eingedrungen, und die dritte habe ein weiteres Mädchen am Bein verletzt. Zunächst hatte es geheißen, der Angreifer habe die junge Aktivistin beim Einsteigen in den Bus angeschossen.
Swat-Tal kurzzeitig in Hand der Taliban
Die Taliban hatten 2007 unter Führung des radikalen Geistlichen Maulana Fazlullah das Swat-Tal unter ihre Kontrolle gebracht. Zahlreiche Mädchenschulen wurden geschlossen und zerstört, bevor die Armee in einer blutigen Offensive die Extremisten aus dem Tal vertrieb, das wegen seiner Schönheit lange ein beliebtes Reiseziel war. In den vergangenen Jahren hat sich die Lage weitgehend stabilisiert, doch trauen sich noch immer nur wenige Touristen in das Tal.Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte am Dienstag, der Angriff auf Malala werfe ein Licht auf das „extrem gefährliche Klima“ für Menschenrechtler im Nordwesten Pakistans. Besonders Aktivistinnen lebten unter der „stetigen Bedrohung durch die Taliban und andere militante Gruppen“.
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