Eine diffuse Furcht vor den Bedrohungen dieser Welt treibt
moderne Eltern dazu, jeden Schritt ihrer Kinder zu überwachen und jeglichen Freiraum zu kappen. Die absurde Risikovermeidung ist alles andere als gesund: Überbehütete Kinder können reale Gefahren schwer einschätzen – sogar ihre Gehirne verkümmern.
moderne Eltern dazu, jeden Schritt ihrer Kinder zu überwachen und jeglichen Freiraum zu kappen. Die absurde Risikovermeidung ist alles andere als gesund: Überbehütete Kinder können reale Gefahren schwer einschätzen – sogar ihre Gehirne verkümmern.
Die Verkäuferinnen konnten sich ein Schmunzeln kaum verkneifen, als ein etwas angegrauter Vater mit seinem einjährigen Sohn das Kindergeschäft betrat – der eine forschen Schrittes, der andere noch etwas wackelig auf den Beinen. Der Mann verlangte nach einem Sturzhelm. Schließlich sollte sich der Knirps bei seinen ersten Gehversuchen am vereisten Gehsteig nicht das Köpfchen verletzen. Einen Helm gab es allerdings nicht – die Geschichte ereignete sich vor annähernd 20 Jahren, und damals waren solche Sicherheitsvorkehrungen keineswegs üblich.
Heute würde der besorgte Vater nicht mehr belächelt werden. Denn die Zahl jener Eltern, die ihre Kinder vor jedem Unheil der Welt schützen wollen, und sei es nur vor ein paar blauen Flecken, ist im Steigen begriffen. Inzwischen fällt man auf, wenn man nicht schon in der Schwangerschaft die Wohnung kindersicher gestaltet, wenn man gelassen bleibt, obwohl der Zweijährige freudig vom höchsten Punkt des Klettergerüsts winkt, oder die Volksschulkinder am Nachmittag ohne Aufsicht zum Spielen in den Hof oder gar in den Wald schickt. Schnell wird einem dann eine zu große Unbekümmertheit attestiert. Wir leben in gefährlichen Zeiten, ständig droht Kindern Gefahr: eine Abschürfung, ein gebrochener Arm, ein Zeckenbiss und im schlimmsten Fall vielleicht gar eine Entführung.
Objektiv gesehen war die westliche Welt für Kinder aber noch nie sicherer. Studien beweisen, dass in den vergangenen 30 Jahren die Gefahren keineswegs zugenommen haben.