Mittwoch, 27. Juni 2012

Migranten verlernen ihre Erstsprache - MAGDALENA LIEDL (Die Presse)

Nur 15 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund lernen in ihrer Erstsprache lesen und schreiben. Mehrsprachigkeit müsse stärker gefördert werden, fordern Experten.
Etwa 207.000 Kinder in Österreich wachsen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch auf. Die meisten von ihnen mit Türkisch oder Serbisch. Schulunterricht in ihrer Muttersprache erhielten im vergangenen Jahr allerdings nur 15 Prozent dieser Kinder. Das heißt: Nur ein Bruchteil von ihnen lernte lesen und schreiben in der Erstsprache.
Das Problem dabei: Viele Experten erachten die Beherrschung der Erstsprache in Wort und Schrift als Grundlage, um weitere Sprachen – hierzulande in erster Linie Deutsch – zu lernen. Diese Meinung – die in der bildungspolitischen Debatte nicht unumstritten ist – vertritt auch Sabine Schmölzer-Eibinger vom Germanistik-Institut der Universität Graz: „Ist das Fundament brüchig, ist jeder weitere Spracherwerb gefährdet“.

Angebot baut auf Freiwilligkeit

Seit dem Jahr 1992 gibt es in Österreich Lehrpläne für den sogenannten muttersprachlichen Unterricht. „Wir decken den Bedarf gut ab“, heißt es aus dem Unterrichtsministerium. Und das, obwohl die Statistik des Ministeriums zeigt, dass der Großteil der betroffenen Kinder keinen Muttersprachenunterricht bekommt.

Aushungern der Neuen Mittelschulen geht weiter: Hummer streicht Zusatzstunden für kleinere Klassen

Klubchefin Jahn: "Stundenkürzung macht Team-Teaching unmöglich."
"SchuldirektorInnen werden die Zahl 17 hassen lernen. Denn dem jüngsten Plan von ÖVP-Bildungsreferentin Hummer zufolge werden für Klassen in Neuen Mittelschulen und Hauptschulen, die über 17 oder weniger SchülerInnen verfügen, sämtliche Zusatzstunden des Landes gestrichen. Damit wird auch das zentrale pädagogische Konzept des Team-Teachings unmöglich gemacht", kritisiert SPÖ-Klubvorsitzende Mag. Gertraud Jahn. Bislang hat eine Schule mit 34 SchülerInnen in einer Schulstufe (also zwei 17-er Klassen) zusätzliche 13 Wochenstunden für Gruppenunterricht erhalten – dieselbe Schule erhält nach dem neuen ÖVP-Plan gar keine zusätzlichen Wochenstunden mehr.
Klar ist, dass ÖVP-Landesrätin Hummer 56 LehrerInnen-Dienstposten streicht, die für Team-Teaching an den Neuen Mittelschulen dringend benötigt werden.
Zusätzlich sorgt die ÖVP durch die Neuverteilung von Wochenstunden aus dem bisherigen Kontingent für Leistungsgruppen für massive Probleme in der Praxis:
• Zum Schulbeginn 2012 werden in Oberösterreich der Großteil der Hauptschulen bereits auf Neue Mittelschulen umgestellt sein.
• In diesen Neuen Mittelschulen gibt es gar keine Leistungsgruppen.
• Hummer benützt als Vorwand für ihren Plan einen Erlass, den sie höchst zweifelhaft auslegt und der – wenn überhaupt – nur für 15 Prozent der Klassen gilt.
• Als Effekt droht ein massiver pädagogischer Schaden an den Neuen Mittelschulen.
• Die Planungssicherheit an den Schulen und das Vertrauen in den Oberösterreichischen Schulsektor wird erschüttert.
"Es war von Beginn an zwischen allen VertreterInnen im österreichischen Bildungswesen klar, dass für das pädagogische Konzept der Neuen Mittelschulen neben den sechs Bonusstunden vom Ministerium auch die bisherigen Stunden für Leistungsgruppen notwendig sind. Wenn jetzt, da die Hauptschulen flächendeckend umgestellt werden, die ÖVP diese Leistungsgruppenstunden von durchschnittlich 5 auf 4,5 reduziert und einseitig verteilt, dann kann das nur als parteipolitische Attacke auf die bei der Bevölkerung beliebten Neuen Mittelschulen gewertet werden", stellt SPÖ-Klubvorsitzende Jahn klar.