Das
einzige, was die Mittelschicht ihren Kindern vererben kann, ist Bildung –
deshalb sind die Eltern im Schulstreit auch so nervös. Die politische Botschaft
muss sich ändern, sagt der Soziologe Heinz Bude.
Die Presse: In
Österreich wird erbittert über die Gesamtschule diskutiert.
Man hat den Eindruck, dass der Kampf um Statusbewahrung immer schärfer wird.
Können Sie das bestätigen?
Heinz Bude: Das ist ein Effekt der Nachkriegsentwicklung: Wir
hatten nach dem zweiten Weltkrieg eine Phase, in der die Mitte der Gesellschaft
immer breiter wurde. Diese Mitte will ihren Sozialstatus jetzt reproduzieren –
und zwar über das Bildungssystem.
Was ist die Konsequenz daraus?
Vor allem für jene, die in ihrer Lebensgeschichte an Status gewonnen haben – zum Beispiel als Bildungsaufsteiger – ist es völlig inakzeptabel, dass ihre Kinder einen niedrigeren Bildungsabschluss haben als sie selbst. Das heißt, diese Menschen sind besonders sensibel, ob die Milieus, in die sie ihre Kinder in der Schule schicken, für diese förderlich sind – oder nicht.
Gibt es eine Gruppe von Eltern, auf die das besonders zutrifft?
Deutlich gezeigt hat sich das beim Schulstreit in Hamburg, wo es um die Einführung der sechsjährigen Primarschule ging. Die Grünen haben diese Reform protegiert – aber viele ihrer Wähler haben still und heimlich die Gegeninitiative unterschrieben. Das ist ein Klientel, das relativ privilegiert ist, was Bildung, Einkommen und Sozialstatus betrifft. Aber viele von ihnen haben Jobs mit prekärem Charakter: Medien, kreative Selbstständigkeit etc. Für diese Eltern gibt es ein Grundmotiv: Sie wollen ihren Kindern etwas vererben. Aber sie haben kein großes Haus, keine Firma, keinen großen Einfluss in der Gesellschaft.
Was können sie denn vererben?
Sie können Bildung vererben. Und deshalb werden sie alles tun, damit dieses Erbe nicht gemindert wird.
Was ist die Konsequenz daraus?
Vor allem für jene, die in ihrer Lebensgeschichte an Status gewonnen haben – zum Beispiel als Bildungsaufsteiger – ist es völlig inakzeptabel, dass ihre Kinder einen niedrigeren Bildungsabschluss haben als sie selbst. Das heißt, diese Menschen sind besonders sensibel, ob die Milieus, in die sie ihre Kinder in der Schule schicken, für diese förderlich sind – oder nicht.
Gibt es eine Gruppe von Eltern, auf die das besonders zutrifft?
Deutlich gezeigt hat sich das beim Schulstreit in Hamburg, wo es um die Einführung der sechsjährigen Primarschule ging. Die Grünen haben diese Reform protegiert – aber viele ihrer Wähler haben still und heimlich die Gegeninitiative unterschrieben. Das ist ein Klientel, das relativ privilegiert ist, was Bildung, Einkommen und Sozialstatus betrifft. Aber viele von ihnen haben Jobs mit prekärem Charakter: Medien, kreative Selbstständigkeit etc. Für diese Eltern gibt es ein Grundmotiv: Sie wollen ihren Kindern etwas vererben. Aber sie haben kein großes Haus, keine Firma, keinen großen Einfluss in der Gesellschaft.
Was können sie denn vererben?
Sie können Bildung vererben. Und deshalb werden sie alles tun, damit dieses Erbe nicht gemindert wird.
Daher kommt
also die Verunsicherung, wenn es um die Gesamtschule geht.
Ja. Es gibt eine grassierende sozialmoralische Ansteckungsangst. Die Vorstellung, ihre Kinder in eine Schule zu schicken, in der sie mit Kindern in Kontakt kommen, deren Familien nicht so viel Wert auf Bildung legen, macht diese Eltern nervös.
Ja. Es gibt eine grassierende sozialmoralische Ansteckungsangst. Die Vorstellung, ihre Kinder in eine Schule zu schicken, in der sie mit Kindern in Kontakt kommen, deren Familien nicht so viel Wert auf Bildung legen, macht diese Eltern nervös.