Sonntag, 11. März 2012

INKLUSION - AKTION MENSCH

Mohr im Hemd? "Ich denke, wir haben größere Probleme" "Krone"-Interview

Foto: Markus Wenzel

Sie ist die erste und einzige Afrikanerin, die es an die Spitze einer SPÖ- Organisation geschafft hat: Beverley Allen- Stingeder, Mühlviertlerin aus Sierra Leone. Wie es ihr im "Mohr im Hemd"- Land Österreich geht, erzählt sie messerscharf und mit Humor im Interview mit Conny Bischofberger.

Zum Weltfrauentag 2012 hat die SPÖ- Ortsgruppe Puchenau bei Linz eine Weltfrau zu ihrer Chefin gewählt: Beverley Allen- Stingeder ist gebürtige Westafrikanerin, Migrantin, Feministin und Österreichs erste Schwarze bei den Roten. "Seit Donnerstag steh' ich an den Kreuzungen, um auf die Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau aufmerksam zu machen", erzählt sie und macht sich auch gleich für die Frauenquote stark. Diesen Sonntag feiert die frischgebackene Ortspartei- Chefin mit 400 Frauen eine Matinee.

Während sie Fragen zu Integration, Rassismus und dem grausamen Bürgerkrieg in ihrer Heimat beantwortet – und zwar in original oberösterreichischem Dialekt – halten ihre beiden Töchter (10 und 12) die zwei Großen Schweizer Sennenhunde "Jacky" und "Charly" im Zaum.

"Krone": Frau Allen- Stingeder, hat Werner Faymann Ihnen schon gratuliert?
Beverley Allen- Stingeder: Nein (lacht). Vielleicht, wenn er die "Krone" liest.

"Krone": Oberösterreichs SPÖ- Obmann Josef Ackerl?
Allen- Stingeder: Auch nicht. Dafür war Barbara Prammer bei meiner Wahl dabei.

"Krone": Wie kommt denn eine Schwarze überhaupt zu den Roten?
Allen- Stingeder: Wie jede Frau, die Karriere macht: durch ihre Leistungen! Ich bin seit 1997 bei der SPÖ, war erst bei der Jungen Generation und vier Jahre im Gemeinderat von Gramastetten. Seit 2009 engagiere ich mich bei der SPÖ Puchenau.

"Krone": Ist Migration im Mühlviertel ein Thema?
Allen- Stingeder: Sicher kein so präsentes Thema wie in den Großstädten. Hier glauben die Leute, wenn ich als Afrikanerin einem Afrikaner begegne, dann muss ich ihn zwangsläufig kennen. Das ist aber weder hier so noch in Wien.

"Krone": Wie begegnen Ihnen die Menschen am Land?
Allen- Stingeder: Offen, wenn sie merken, dass ich die Sprache beherrsche. Für die älteren Leute in Pasching bin ich noch immer das Haidinger- Dirndl – der Mann meiner Mutter hieß Franz Haidinger. Er hat als Tankwart geschichtelt und jeden Abend mit mir Deutsch gelernt, als ich mit knapp elf Jahren nach Oberösterreich gekommen bin.

"Krone": Sind Sie für verpflichtende Deutschkurse für Migranten?
Allen- Stingeder: Jeder, der hier lebt, soll Deutsch können. Nur dann kommt man vorwärts. Das ist mein Appell an die Jugend. Appelle sind stärker als Zwangsmaßnahmen.