Donnerstag, 21. Juni 2012
SPÖ für öffentliche Universität zur LehrerInnenausbildung
Klubchefin Jahn: "Ausbildung von Lehrkräften ist staatlicher Kernbereich."
Die SPÖ tritt klar dafür ein, dass in Oberösterreich eine öffentliche Pädagogische Universität errichtet wird. Weil aber die Vereinigung der Pädagogischen Hochschule der Diözese mit jener des Bundes nicht in der Rechtsform einer öffentlichen Universität machbar ist, hat die SPÖ heute im Bildungsausschuss des Landtags gegen einen entsprechenden Initiativantrag von ÖVP/Grün gestimmt. "Wir stehen für Oberösterreich und für unabhängige Lehrkräfteausbildung. Dabei machen wir keine Kompromisse", stellt SPÖ-Klubvorsitzende Jahn klar.
Die SPÖ wird daher in der kommenden Landtagssitzung einen eigenen Initiativantrag für eine öffentliche Pädagogische Universität in Oberösterreich einbringen. "Wir SozialdemokratInnen sind klar für die Aufwertung der Lehrkräfteausbildung auf universitärer Ebene. Ebenso klar ist für uns, dass das nur in der Rechtsform einer öffentlichen Universität denkbar ist, weil die Ausbildung von Lehrkräften ein staatlicher Kernbereich ist und dabei Kontinuität, Qualität und Rechtssicherheit bestmöglich gewährleistet werden müssen. Im Rahmen dieser öffentlichen Universität soll durchaus auch eine konstruktive Einbindung der bisherigen Pädagogischen Hochschule der Diözese stattfinden – aber eine gemeinsame Trägerschaft ist schon aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen undenkbar", betont Jahn.
Statistik-Austria-Chef warnt vor zu früher Schulwahl - von Christoph Schwarz (Die Presse)
Wirtschaftswissenschafter Konrad Pesendorfer über den „zu frühen Zwang“, eine Berufswahl zu treffen und dem Akademikermangel. Vor allem bei der Lehre sieht Pesendorfer Handlungsbedarf.
Wien. Es ist eine Seltenheit, dass sich die obersten Statistiker des Landes zur inhaltlichen Beurteilung der eigenen Erhebungen zu Wort melden. Die Ergebnisse der Bildungsmonitoring-Studie der Statistik Austria wollte deren Generaldirektor, Konrad Pesendorfer, jedoch nicht unkommentiert lassen. Der ehemalige wirtschaftspolitische Berater von Kanzler Werner Faymann (SPÖ) warnt im Gespräch mit der „Presse“ vor den Gefahren des differenzierten Bildungssystems: „In Österreich herrscht vielfach ein zu früher Zwang, eine Berufs- oder Bildungsentscheidung treffen zu müssen“, sagt er mit Blick auf Hauptschule, Neue Mittelschule und Gymnasium. „Die Schulwahl determiniert sehr früh die spätere Berufslaufbahn.“ Die negativen Folgen: Lehrlinge mit einer zu spezifischen Ausbildung für einen sich immer schneller wandelnden Arbeitsmarkt, der Verlust von möglichen Talenten und eine zu geringe Akademikerquote.
Vor allem bei der Lehre sieht Pesendorfer – trotz positiver Aspekte – Handlungsbedarf: „Die Lehrlinge werden sehr spezifisch ausgebildet und sind daher sehr stark von der Entwicklung ihrer Branche abhängig.“ Wandle sich der Arbeitsmarkt, verlören sie auch leicht den Anschluss. Denn so gut der Einstieg in das Berufsleben auch gelinge (47,5 Prozent finden innerhalb von drei Monaten einen Job, weitere 14,7 Prozent innerhalb von sechs Monaten): Die Weiterbildung im Laufe des Berufslebens erweise sich als schwierig, so Pesendorfer. „Dem System fehlt die Durchlässigkeit. Für Interessierte und Begabte fehlt die Brücke zu einer höheren Ausbildung“, so Pesendorfer. „Vielleicht haben wir bereits so manche Chance auf Literatur-Nobelpreisträger vergeben, weil er oder sie sich zu früh für eine Werkslehre entscheiden musste.“
Auch im Schulsystem kritisiert der Statistik-Austria-Chef die frühe Selektion: „Wir müssen akzeptieren, dass sich Kinder und Jugendliche unterschiedlich schnell entwickeln.“ Das bestehende System sei „unfair“ gegenüber Spätentwicklern.
Experten empfehlen wegen PISA die Gesamtschule > (DiePresse.com)
Die Gruppe der schwächeren Schüler wird immer größer, zeigt eine PISA-Zusatzanalyse. Die Fördermaßnahmen hätten keinen Effekt, eine gemeinsame Schule für alle würde helfen.
Ein schlechtes Zeugnis stellen die nationalen Zusatzanalysen zur PISA-Studie 2009 der heimischen Bildungspolitik aus. "Es lassen sich so gut wie keine Bereiche ausmachen, in denen seit der ersten PISA-Testung im Jahre 2000 eine Veränderung zum Positiven stattgefunden hätte", heißt es im "Executive Summary" der von Ferdinand Eder herausgegebenen Analysen. Die Auswertung des Erziehungswissenschafters von der Uni Salzburg wurden im Rahmen einer Tagung in Salzburg diskutiert. Angesichts der Daten bestünden "ernsthafte Zweifel, ob positive Entwicklungen ohne strukturelle Veränderungen des Pflichtschulsystems möglich sind". Unter anderem wird für die Gesamtschule der Zehn- bis 14-Jährigen plädiert.
Im Lesen kamen die 15- bis 16-jährigen Schüler aus Österreich bei der ersten PISA-Studie 2000 auf 492 Punkte, 2003 auf 491, 2006 auf 490 und 2009 nur mehr auf 470 Punkte. Aufgrund eines Boykott-Aufrufs in der ersten Testphase 2009 veröffentlichte die OECD die Österreich-Ergebnisse nur mit Vorbehalt. Die Wissenschafter kamen aber zum Schluss, dass sich "keine Anhaltspunkte ergaben, die in PISA 2009 für Österreich berichteten Ergebnisse in Zweifel zu ziehen". Auch die Begleitfolgen des Teil-Boykotts "reichen nicht aus, die Verschlechterung der Ergebnisse zu erklären".
Immer mehr schwache Schüler
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