Dienstag, 5. Juli 2011

Vier Prozent hat hohes Aggressionspotenzial - orf.at

Vier Prozent der oö. Zehn- bis 18-Jährigen, das sind rund 6.200 Jugendliche, haben eine starke Aggressionsbereitschaft. Das zeigt eine Studie des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS im Auftrag des Landessicherheitsrates.
 In Discos und Lokalen kommt es am häufigsten zu Pöbeleien und Gewalt unter Jugendlichen.
Die Ergebnisse wurden am Dienstag von Spitzenvertretern aller vier Landtagsparteien und Sicherheitsdirektor Alois Lißl präsentiert.

"Konfliktreich nur für fünf Prozent"

IMAS hat im November und Dezember des Vorjahres 803 für die Oberösterreicher im Alter von zehnbis 18 Jahren repräsentative Jugendliche in persönlichen Interviews befragt. Entsprechend dem gesellschaftlichen Durchschnitt hatten zwölf bis 14 Prozent ausländische Wurzeln.


83 Prozent gaben an, das Zusammensein mit Altersgenossen gestalte sich friedlich, nur fünf Prozent beurteilten es als konfliktreich. Als Orte, an denen es am häufigsten zu Pöbeleien und Gewalt unter Jugendlichen kommt, nannten 51 Prozent Discos und Lokale, 46 Prozent die Schule und 35 Prozent den Schulweg. Die Familie wurde nur von vier Prozent angeführt.
 
Kleine Waffen aus Angst vor Raufereien

17 Prozent vermuten, dass Schulkollegen aus Angst vor Raufereien kleine Waffen wie Taschenmesser zur Verteidigung dabei haben. Wenn sie selbst Opfer von Gewalt wären, würden sich 68 Prozent zuerst an ihre Freunde wenden, 34 Prozent an die Eltern, acht Prozent an die Lehrer und drei Prozent an die Polizei. Die höchste Gewaltbereitschaft zeigte sich bei den 14- bis 16-Jährigen.

57 Prozent sahen die Gegnerschaft von Zuwanderern und Österreichern als Auslöser.

Anpöbeln ist häufigste Form der Aggression

Die häufigste Form der Aggression ist das Anpöbeln. 58 Prozent gaben an an, dass sie oder ihr Umfeld davon am ehesten betroffen seien. Es folgen Raufereien (29 Prozent) und Mobbing (27 Prozent). Körperliche Gewalt war für 14 Prozent präsent, Cybermobbing für acht Prozent.

Als Hauptmotive für Stänkerer und Streithanseln nannten 75 Prozent "zeigen wie stark sie sind" und 59 Prozent "Macht über Schwächere ausüben". 57 Prozent sahen auch die Gegnerschaft von Zuwanderern und Österreichern als Auslöser. 63 Prozent vermuten darin sogar einen Grund für Raufereien.

Wer als gewaltbereit eingestuft wird

Als gewaltbereit werden neben Jugendlichen mit krimineller Veranlagung (60 Prozent) und ohne richtige Familie (54 Prozent) auch "Österreicher, die keine Ausländer im Land haben möchten" (54 Prozent) ebenso wie "Türken" (53 Prozent) eingestuft. Junge Osteuropäer neigen nur nach Ansicht von 18 Prozent vermehrt zu Gewalt, Zuwanderer aus Asien und Afrika wurden von 13 Prozent genannt.

Rechtsextreme Jugendliche werden hingegen von 46 Prozent als gewaltbereit angesehen, linksradikale von 20 Prozent, überzeugte Anhänger des Islam von 25 Prozent und überzeugte Christen von drei Prozent.

Zwei Prozent sind überzeugt, dass Hitler-Deutschland Österreich Vorteile gebracht habe.

Verbotsgesetz wird weitgehend anerkannt

Die Bedeutung des Verbotsgesetzes wird weitgehend anerkannt, nur sechs Prozent der Jugendlichen halten es für gar nicht sinnvoll. Die Kenntnisse darüber sind aber eher bescheiden: Elf Prozent gaben an, genau zu wissen was darunter zu verstehen ist, 26 Prozent ungefähr.

Zwei Prozent sind überzeugt, dass Hitler-Deutschland Österreich Vorteile gebracht habe, 17 Prozent stimmten dieser Aussage teilweise zu. 52 Prozent finden das überhaupt nicht und 28 Prozent äußerten sich nicht. Laut Studienleiter Paul Eiselsberg war vor allem die Altersgruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen mit dem historischen Hintergrund überfordert.

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