Dienstag, 28. Juni 2011

Jugendliche Migranten sehen Bildung als persönliche Chance - OÖN

LINZ. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind stärker an Bildung interessiert als bisher angenommen – jedoch gibt es auch Risikogruppen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Linzer Kepler-Universität. 

Wie sehr sind die Kinder von Migranten an Ausbildung interessiert, wie ist ihr Bildungsweg, gibt es bestimmte Problemgruppen, wo gibt es Unterschiede: Fragen, denen die Studie der Kepler-Uni (siehe Kasten) nachging. „Teilweise gibt es Überraschungen, die bisher gängige Annahmen widerlegen“, sagte Sozialreferent LH-Stv. Josef Ackerl zu den Ergebnissen. Die Details:

 • Kindergartenbesuch: 
88 Prozent aller befragten Schüler hatten einen österreichischen Kindergarten besucht. Zwischen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund und jenen, die in Österreich geboren wurden, aber ausländische Wurzeln haben („2. Generation“), gibt es dabei nahezu keinen Unterschied. Mehr als 94 Prozent waren im Kindergarten. Viel seltener hatten dagegen nicht in Österreich geborene Jugendliche („1. Generation“) einen Kindergarten besucht.



Berufswünsche: 
Befragt nach den Plänen nach der Pflichtschule, wollen rund 60 Prozent aller Befragten eine Lehre beginnen, fast ein Drittel (32 Prozent) strebt eine weiterführende höhere Schule an. Dabei haben Jugendliche mit Migrationshintergrund sogar häufiger den Wunsch nach weiterer Schulbildung (zwischen 34 und 47 Prozent, siehe Grafik oben).

„Insbesondere jene Jugendlichen der 1. Generation mit türkischen Wurzeln stimmen der Notwendigkeit einer guten Ausbildung für einen späteren Beruf stärker zu als Jugendliche ohne Migrationshintergrund“, so die Studienautoren.

Doch hier zeigt die Studie auch Probleme auf:


Die Unentschlossenen: 
Insgesamt sieben Prozent aller Befragten hatten am Ende der Schulpflicht keine Zukunftsvorstellungen. Dieser Prozentsatz ist bei jugendlichen Migranten etwa doppelt so hoch: Zwölf Prozent der türkischstämmigen Jugendlichen hatten keine Berufs-vorstellungen, 15 Prozent jener aus dem EU-Raum außerhalb Österreichs und 15 Prozent aus anderen Ländern ebenfalls nicht.

Das sei vor allem ein Problem der beruflichen Information: Bei der Berufsorientierung an den Schulen müsse früher angesetzt werden. Ein Problem: Nach Österreich immigrierte Eltern kennen oft das hiesige Ausbildungssystem zu wenig, obwohl sie bei den Jugendlichen „erste Informationsquelle“ wären.



Burschen und Mädchen: 
Dass Mädchen mit Migrationshintergrund „doppelt diskriminiert“ seien, stimmt laut Studie nicht. Eher gibt es eine „Bildungsbenachteiligung der Burschen“: Sie haben im Schnitt schlechtere Noten und mehr Leseschwächen – und damit auch geringere Chancen auf den Besuch höherer Schulen.

Ein Resümee aber: Der Großteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sieht berufliche Bildung als Möglichkeit der Integration und des persönlichen Weiterkommens.



1986 Befragte

Für die Studie befragte das Institut für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung der Kepler-Uni Linz, unterstützt vom Landes-Sozialressort, 1986 Schülerinnen und Schüler in vierten Hauptschulklassen und Polytechnischen Schulen, die meisten zwischen 14 und 16 Jahre alt. Ein knappes Drittel der Befragten gab an, eine andere Muttersprache als Deutsch zu haben.

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