Freitag, 4. Januar 2013

Auf Schulweg in den Kopf geschossen - orf.at


Die von Taliban schwer verletzte pakistanische Schülerin Malala Yousafzai hat die Spezialklinik im britischen Birmingham verlassen und erholt sich weiter bei ihrer Familie in England. Die 15-Jährige müsse sich aber Ende Jänner oder Anfang Februar weiteren Behandlungen unterziehen, sagte der medizinische Direktor des Königin-Elizabeth-Hospitals, Dave Rosser, am Freitag.
Yousafzai wurde wegen ihrer Kritik an den radikalen Islamisten in ihrer Heimat zu einem Symbol des Widerstandes und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Anfang Oktober schossen Taliban der Schülerin auf dem Weg von der Schule zum Bus in den Kopf. Sie begründeten das Attentat damit, dass Malala pro-westlich sei, gegen die Taliban aufbegehrt und US-Präsident Barack Obama einen vorbildlichen Staatschef genannt habe.

Gute Genesungsfortschritte

„Malala ist eine starke junge Frau“, sagte Rosser. Zusammen mit ihrem Pflegeteam habe sie große Fortschritte bei der Genesung erzielt. Daher hätten die Ärzte beschlossen, dass Malala am Donnerstag aus dem Krankenhaus entlassen wird. Sie habe bereits in den vergangenen Wochen mehrmals die Klinik vorübergehend verlassen und bei ihrer Familie leben können, die ein begrenztes Bleiberecht in Mittelengland hat.
Die Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai verabschiedet sich in Birmingham vom KrankenhauspersonalAPA/EPA/University Hospitals BirminghamYousafzai verabschiedet sich von ihren Krankenschwestern
Die pakistanische Regierung sagte laut Medienberichten Malalas Vater Ziauddin Yousafzai einen Posten als Attache für Bildung im Konsulat in Birmingham zu. Es schien daher wahrscheinlich, dass die Familie mittelfristig in Großbritannien bleiben würde. Auf einem vom Krankenhaus veröffentlichten Video war Malala am Donnerstag in einem grauen Kleid und einem cremefarbenen Kopftuch zu sehen, wie sie an der Hand einer Krankenschwester ihre Station verließ. Sie winkte dem Personal, bevor sie an der Tür eine Krankenschwester umarmte.

Als elfjährige Bloggerin bekanntgeworden

Malala stammt aus dem Swat-Tal in Pakistan. Die Schülerin hatte 2009 schon als Elfjährige gegen die Taliban protestiert, die Mädchen und Frauen den Zugang zu Bildung verweigern. Die Jugendliche war bekanntgeworden, als sie vor drei Jahren auf einer Website des britischen Fernsehsenders BBC über Gewalttaten der Taliban in dem Tal berichtete. In einem Dokumentarfilm beschrieb sie ihren Wunsch, Ärztin zu werden - entgegen den Vorschriften der Taliban.
Damals hatte sich die pakistanische Regierung mit den Taliban im Swat-Tal auf eine Waffenruhe geeinigt und damit faktisch die Kontrolle der Islamisten anerkannt. Diese setzten daraufhin islamische Gerichte ein, töteten Andersdenkende und schlossen Schulen für Mädchen, darunter jene von Yousafzai. Für ihre Arbeit bekam sie im vergangenen Jahr den ersten je verliehenen Friedenspreis der pakistanischen Regierung und wurde für eine weitere Auszeichnung einer internationalen Organisation nominiert.

Taliban rühmte sich mit Tat

Nach dem Überfall bekannten sich die pakistanischen Taliban nicht ohne Stolz zu der Tat. Sie begründeten den Mordversuch damit, dass Yousafzai eine Spionin des Westens sei. Man habe sie ins Visier genommen, „weil sie sich gegen die Taliban aussprach, während sie mit schamlosen Fremden beisammensaß und den größten Feind des Islam, (US-Präsident) Barack Obama, verherrlichte“. Sie drohten zudem, Malala erneut anzugreifen, sollte sie überleben.
In der Bevölkerung sorgte der Angriff auf ein wehrloses, 15-jähriges Mädchen für Empörung und Wut. Nach dem Anschlag gingen die Menschen zu Tausenden auf die Straße, um gegen den Schrecken der Taliban zu protestieren und für das Mädchen zu beten. Auf vielen Plakaten standen Sprüche wie „Du bist Hoffnung und Inspiration für uns alle“.

Dienstag, 11. Dezember 2012

Vorrang für die Volksschule!




Die Primarstufe bedarf  dringender pädagogischer und organisatorischer Verbesserungen. Dazu sind zusätzliche finanzielle Mittel notwendig!

Nachdem in der heute vorgestellten PIRLS- und TIMSS-Studie Österreichs VolksschülerInnen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen sich zwar verbessert, aber noch immer nicht wirklich befriedigend abgeschnitten haben, ist es höchste Zeit konkrete Maßnahmen zu setzen, um das Bildungsfundament in der österreichischen Schullandschaft zu verbessern.
Als bereits existierende Gesamtschule muss die Volksschule all jene Ressourcen erhalten, die für eine gut funktionierende Schule benötigt werden.

Für eine Qualitätssteigerung der Primarstufe verlangen wir folgende Maßnahmen:

  • Doppelbesetzung in allen Fächern der ersten und zweiten Schulstufe
  • zusätzliche Stunden für Teamteaching bzw. Kleingruppenunterricht in den
    übrigen Schulstufen der VS
  • keine einzige Klasse mit mehr als 20 Schülern
  • zur besseren Vorbereitung auf die Volksschule zwei Pflichtjahre Kindergarten
  • besondere Förderung der Ganztagsschule
  • Einführung der gemeinsamen Schule, um den Notendruck in der 4. Klasse zu nehmen
  • Ausbau der Supportsysteme, z.B. mehr Beratungslehrer, Sozialarbeiter, Schulpsychologen
  • Stundenkontingente für besonders verhaltensauffällige Kinder
  • Sofortmaßnahmen für verhaltensauffällige Kinder in Akutsituationen
  • beste räumliche und lehrmittelmäßige Ausstattung aller Volksschulen

Wir ersuchen die Landeshauptleute und die Bundesministerin Claudia Schmied umgehend die Umsetzung dieser Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Von der Finanzministerin Maria Fekter fordern wir, die notwendigen finanziellen Mitteln zur Verfügung zu stellen.

Franz Turek                                                                                      Anton Lauinger
SLÖ-Landesvorsitzender                                                                        FSG-APS-Vorsitzender
Mitglied im ZA-PflichtschullehrerInnen                                                     Landesleitungsmitglied der
Mitglied GÖD-APS Bundesleitung                                                          PflichtschullehrerInnengewerkschaft
Tel.: 0699/81266739                                                                               Tel.: 07674/64845
Email: franz.turek@slooe.at                                                                   Email: a.lauinger@aon.at

Montag, 10. Dezember 2012

Mit Händen und Füßen - Manuela Macedonia

Spezial Lernen

Eine Fremdsprache zu lernen ist mühsam - etwa wenn es gilt, lange Vokabellisten im Gedächtnis zu behalten. Es geht aber auch anders: Laut Forschern lässt sich durch den Einsatz von Gesten die Lernleistung erheblich steigern.


Es war nach der Mittagspause, als ich die Aufmerksamkeit der Studenten meines Italienischkurses auf einen vom Band gespielten Lehrbuchdialog zu lenken versuchte. Eine Touristin in Rom, die zur Spanischen Treppe wollte, fragte einen Passanten nach dem Weg.
Also gestikulierte ich, um die Ausdrücke "a destra" (nach rechts) und "a sinistra" (nach links) anschaulich zu machen. Doch über wohlwollende Blicke hinaus ließ mein Publikum keine allzu großen Anzeichen von Interesse durchblicken. Offenbar war gerade Verdauung angesagt.
Ich bat die Studenten, mit mir gemeinsam den Text laut zu lesen und meine Gesten, die die Wortbedeutung unterstrichen, nachzuahmen. Auf diese Weise sollten sie der Touristin den Weg verständlich machen. In der darauf folgenden Sitzung forderte ich sie auf, den mittels Gesten eingeübten Dialog untereinander erneut durchzugehen. Zu meiner großen Überraschung fielen ihnen nicht nur die neuen Vokabeln ein – auch ganze Sätze kamen wie aus der Pistole geschossen! Ich staunte. Was war geschehen?
Statt nur zuzuhören und den Text zu lesen, hatten die Studenten aktiv mitgesprochen und vor allem hatten sie ihren Körper als Lernwerkzeug eingesetzt …

Dienstag, 4. Dezember 2012

PISA-Chef: "Entweder ich bin ein Genie oder halt nicht" - Von Bernadette Bayrhammer und Christoph Schwarz (Die Presse)


PISA-Chef Andreas Schleicher spricht mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied im "Presse"-Interview über fehlenden persönlichen Einsatz von Schülern und Eltern und die dringend nötige "Kultur des Gelingens"

Andreas Schleicher: Positiv bewerte ich die Reformdynamik, die Paradigmenwechsel, die Schmied ausgelöst hat. Sie finden in Europa wenige Länder, in denen sich in so wenigen Jahren so viel verändert hat wie in Österreich – mit der Neuen Mittelschule, Ganztagesbetreuung, der modularen Lehrerbildung. Derzeit das Problem: Vieles davon ist erst in den Anfängen. Die Ansätze sind besser als die Umsetzung.
Das klingt wertschätzend, passt aber nicht ganz zu den Ergebnissen der OECD-Studien. Diese sind für Österreich zumeist weniger erfreulich.
Claudia Schmied: Die Ergebnisse dieser Studien sind wichtig, aber oft nur verkürzte Momentaufnahmen. Als solche müssen wir sie sehen. Um Erfolge zu sehen, brauchen wir einen längeren Atem. Und da sind wir auf dem richtigen Weg.

Ist das nicht eine zu billige Ausrede, immer nur darauf zu verweisen, dass die Reformen „langfristig“ wirken? Deutschland etwa hat rasch und erfolgreich auf die schlechten Leseergebnisse bei PISA reagiert.

Montag, 3. Dezember 2012

Eine Schule, die 90 Prozent des Lernens abdeckt - Stefanie Ruep - Der Standard



Wie es ihnen gefällt und was sie wollen oder brauchen: Die Neue Mittelschule Maxglan in Salzburg bietet vier "echte" Ganztagsschulklassen, aber auch schulische Nachmittagsbetreuung an
Salzburg - Freitag ist Handytag. Punkt 11.30 Uhr wird es laut im Freizeitraum der Neuen Mittelschule (NMS) Maxglan in Salzburg. Lara und Sandra stecken auf dem Ecksofa die Kopfhörer ihrer Smartphones an, stellen denselben Radiosender ein und singen lauthals mit. Rundherum zücken auch Mitschüler ihr Smartphone, spielen und tauschen sich über die neuesten Handy-Apps aus.
Konsolen- und Handyspiele sind hier nur an einem Wochentag erlaubt. Die von Erzieherinnen betreuten Freizeitstunden während des Unterrichts sind ein fixer Bestandteil der verschränkten Form der Ganztagsbetreuung, die die NMS Maxglan seit vier Jahren anbietet. Verschränkt heißt, Lernphasen und Freizeitaktivitäten werden im Tagesrhythmus der Schüler angeboten. Täglich gibt es eine verpflichtende Lernstunde, in der die Hausübungen zusammen mit den Klassenlehrern gemacht werden. 
Tischtennistische, Wuzler, Billard
In den Freizeitstunden bekommen die Schüler nicht nur ihr Mittagessen, sondern können sich auch vielfältig austoben. Der Raum gleicht einem Jugendzentrum: Tischtennistische, Wuzler, Billard, vier Computer mit Spielen und jede Menge Sitzkissen und Sofas zum "Chillen", was die Schüler in den Freizeitstunden am liebsten tun. Es gibt auch Fixpunkte in der Woche. Die Schüler können frei wählen zwischen Theater, Schach, Russisch und Proben in der schul-eigenen Band.
Die Schule bietet beide Formen der Ganztagsbetreuung an. Zu den rund 100 Schülern in den vier Ganztagsklassen mit der verschränkten Form kommen noch 64 Schüler aus anderen Klassen, die tageweise in der Nachmittagsbetreuung der Schule sind. Auch sie haben Freizeit- und Lernstunden, sind aber von der ersten bis zur vierten Klasse zusammengewürfelt. Die Lernstunde wird von einem Deutsch-, Englisch- oder Mathematiklehrer gehalten, der nicht zwingend der Klassenlehrer der Schüler sein muss.
Organisiert wird die Nachmittagsbetreuung an allen städtischen Schulen Salzburgs vom Verein Freizeitbetreuung. 134,40 Euro bezahlen die Eltern monatlich für die volle Ganztagsbetreuung inklusive Essen. 26,88 Euro kostet ein Wochentag monatlich. Es kann auch um einen Zuschuss von bis zu 100 Prozent der Betreuung und 60 Prozent des Essens am Magistrat angesucht werden.
Gegenseitige Unterstützung
Nach dem Essen hilft Magdalena ihrem Klassenkollegen Markus bei der Mathe-Hausübung. "Ich check das nicht und will nachher noch in den Turnsaal", sagt der Zweitklässler. David und Marco aus der dritten Klasse feilen in der Freizeitstunde lieber an ihren Comic-Zeichenkünsten. Die Ganztagsklasse finden beide praktisch: "Uns ist es lieber, die Hausübung in der Schule zu machen." Marco muss nach der Schule nur noch für Tests lernen. David meint: "Ich lern zu Hause gar nicht mehr und komm auch so mit einem Zweier oder Dreier durch."
Die Ganztagsbetreuung zeigt Wirkung: "Kein Kind aus der verschränkten Form hatte bisher eine Wiederholungsprüfung", erzählt Direktorin Ingeborg Holleis. Man dürfe aber auch nicht glauben, dass in den Lernstunden alles abgedeckt werde. Es könne schon sein, dass die Schüler am Wochenende Vokabeln lernen müssen. "90 Prozent werden abgedeckt. 100 Prozent wären vermessen", betont die Direktorin.
Direktes Feedback
Durch die Lernbetreuung bekommt der Lehrer auch direktes Feedback von den Schülern. "Wenn wir zu viel Hausübung haben und sie nicht schaffen, dann sagen wir es dem Lehrer, und er gibt nächste Woche weniger", erzählt Stefan aus der 4a.
So wie jeden Freitag dürfen die Schüler in der Freizeitstunde in den Turnsaal. Ob Erstklässler oder Viertklässler - alle wollen Merkball spielen, "außer die Zockerkinder", erklärt der Viertklässler Stefan, der in der Freizeitstunde lieber etwas "Sinnvolleres" macht. Beim Merkball müssen sich gerade die älteren Schüler vor den Jüngeren in Acht nehmen, denn "die Kleinen sind auf Zack und so schnell, die trifft man nicht".

schulRAUMkultur - Keine Architektur mehr ohne pädagogisches Konzept! Ein Symposium zum nachhaltigen Schulbau.

   
Linz - Mehr als 6.200 Schulen gibt es derzeit in Österreich.
Rund 200 davon werden jedes Jahr saniert und umgebaut. Hinzu kommt
jährlich eine Handvoll Neubauten. Nur in den seltensten Fällen wird
im Zuge der Planung und des Baus auch das architektonische
Raumkonzept überdacht. Die meisten Projekte werden immer noch ohne
Rücksicht auf neue pädagogische Erkenntnisse und Lernmodelle
abgewickelt. Das zeigte sich letzte Woche beim Symposium
"schulRAUMkultur", das vom 28. bis 30. November in Linz über die
Bühne ging. Rund 250 TeilnehmerInnen aus Politik und Verwaltung,
Pädagogik und Architektur waren anwesend.

   "Wenn es darum geht, Lernräume für Kinder und Jugendliche zu
schaffen beziehungsweise umzubauen und zu sanieren, dann sollten die
üblichen zentralisierten Planungsmethoden überdacht werden", sagt der
Symposium-Initiator Michael Zinner, Assistenzprofessor an der
Kunstuniversität Linz. "Zukunftsorientierte Räume an unseren Schulen
entstehen anders als bisher gewohnt, eine neue Kultur des
prozesshaften Entwickelns ist dringend notwendig." Die meisten der
rund 25 Vortragenden und DiskutantInnen aus Österreich, Deutschland,
Italien, Finnland und der Schweiz stimmten dieser These zu.

   Zwar gebe es in Österreich bereits einige in Umsetzung
befindliche, innovative Pilotprojekte wie etwa den Bildungscampus
Hauptbahnhof in Wien oder die Schulzentren in Pregarten
(Oberösterreich) und Moosburg (Kärnten), doch mit diesen wenigen
"goldenen Eiern", wie im Zuge der Gespräche immer wieder zu hören
war, könne man die österreichische Schulbaupolitik nicht maßgeblich
verändern. Was es brauche, so Zinner, sei "ein gemeinsamer Wille von
Politik, Behörden, PädagogInnen und PlanerInnen, die Schulbaukultur
hierzulande grundsätzlich zu überdenken." Eine der Möglichkeiten, die
der aktuellen pädagogischen Entwicklung angemessen sind, ist die
Forcierung von Partizipationsprozessen, also von Planungsabläufen, in
die die späteren NutzerInnen der Schulgebäude von Beginn an
involviert sind.

Freitag, 23. November 2012

66. Generalversammlung des SLÖ OÖ.



66. Generalversammlung des SLÖ OÖ.
Mittwoch, 28. November 2012, 8:30 bis 13:00
Linz-Leonding, Kürnberghalle
8:30 - Auftakt
Auftakt: Chor der Musikhauptschule Traun,
Leitung: Dipl. Päd. Isolde Hinterramskogler

Tagung der Lehrerinnen für Werkerziehung
Franz Turek
Landesvorsitzender des SLOÖ

Tagungseröffnung

LAbg. Mag.a Gertraud Jahn
Klubobfrau SPÖ OÖ.

Zukunft Bildung

Dr. in Brigitte Leidlmayer
Vizepräsidentin des LSR für OÖ.

Bildung aktuell

Dr.in Manuela Macedonia

PROJEKT GEHIRN -
Wie pädagogische Arbeit Gene verändern kann

13:00 - Ende der Tagung

14:00 Tagung der Berufsschullehrer/-innen
Vorsitzender Mag. Dr. Gisbert Topf
Vorsitzender SLÖ Berufsschullehrer/-innen
Franz Pernerstorfer: "Quo vadis Kompetenz?"


Montag, 19. November 2012

Die Quantenphysikerin in der Neuen Mittelschule - JULIA NEUHAUSER (Die Presse)


Bibiane Blauensteiner nimmt sich eine Auszeit als Forscherin und unterrichtet die Kinder an der NMS Aspern. Ein Job, der herausfordernder ist als gedacht. Ein Lokalaugenschein.
Wien. Langsam nähert die zwölfjährige Jenny ihren linken Zeigefinger dem ihrer Lehrerin. Plötzlich zuckt Jenny zurück. Sie hat sich bei der Berührung elektrisiert. Zufall ist das keiner, denn Jennys rechte Hand liegt auf einem Bandgenerator, ihr Körper hat sich also elektrostatisch geladen. Sie ist die erste Schülerin der 2c, die diesen Versuch im Physikunterricht ausprobieren darf. Ihre Mitschüler staunen und warten gespannt, bis auch sie an der Reihe sind.
Die Lehrerin, die es schafft, die Kinder für den Physikunterricht zu begeistern, ist Bibiane Blauensteiner (33). Das ungewöhnliche dabei: Blauensteiner ist keine ausgebildete Pädagogin, sondern Quantenphysikerin. Den Weg in die Kooperative Mittelschule (KMS) Aspern im 22.Wiener Gemeindebezirk hat sie durch das Projekt „Teach for Austria“ gefunden. Dabei werden herausragende Hochschulabsolventen für zwei Jahre als Lehrer an herausfordernde Schulen geschickt. Derzeit nehmen 24 Hochschulabsolventen an dem Programm teil. Im nächsten Schuljahr sollen es sogar doppelt so viele sein. Ziel des Projekts ist es, die Ausbildungs- und Berufschancen von Kindern mit weniger guten Startbedingungen zu verbessern. Die ausgewählten Hochschulabsolventen – darunter Molekularbiologen, Informationstechnologen und Sprachwissenschaftler – sollen mit ihrer Expertise dazu beitragen.

500 Bewerber, nur 24 setzten sich durch

Im Physikunterricht der 2c scheinen die Kinder fürs Erste schon einmal sehr motiviert zu sein. Der Stationenbetrieb im Physiksaal, bei dem die Schüler an jeder einzelnen der vier Stationen Versuche zum Thema Elektrizität und Magnetismus durchführen können, macht die Kinder neugierig. Jenny hat nun bereits an Station Nummer vier gewechselt. Hier liegen zahlreiche Luftballons. Einen davon schnappt sich die quirlige Schülerin und reibt ihn heftig an ihrem Kopf. Dann bewegt sie den Luftballon langsam immer weiter von ihrem Kopf weg. Ihre langen braunen Haare folgen dem Luftballon, bis sie schlussendlich senkrecht in die Höhe stehen. Ein einfacher Versuch, der Wirkung zeigt. Rasch ist eine Diskussion zwischen den Schülern entbrannt. Warum stehen Jennys Haare zu Berge? Vermutungen dazu gibt es zwar viele, eine Antwort darauf aber noch nicht.
Versuche durchführen, Beobachtungen machen, Skizzen anfertigen, Vermutungen anstellen und dann Ergebnisse auswerten: Diese Abläufe kennt Bibiane Blauensteiner nur allzu gut. Bevor sie an die KMS Aspern kam, arbeitete sie am Institut für Quantenoptik in der von Anton Zeilinger geleiteten Forschungsgruppe. Irgendwann beschlich sie das Gefühl, dass sie, bevor sie sich endgültig der Wissenschaft verschreibt, noch etwas anderes machen möchte. Sie bewarb sich bei „Teach for Austria“. Dort musste sie eine anspruchsvolle Bewerbungsphase durchlaufen. Rund 500 Hochschulabsolventen wollten an dem Projekt teilnehmen. Nur 24 wurden schließlich aufgenommen. Auf das Auswahlverfahren folgten ein vierwöchiger Onlinekurs und eine sechswöchige Sommerakademie, welche die Teilnehmer auf den Unterricht in der Klasse vorbereiten sollte.

In der Schule kam der „Realitätsschock“

Zu Schulbeginn im September folgte dann dennoch der „Realitätsschock“, sagt Blauensteiner. Obwohl sie sich lange damit auseinandergesetzt hat, was es heißt, Lehrerin zu sein, ist der Schulalltag herausfordernder, als vermutet. „Ich habe schon einige schwierige und intensive Dinge gemacht. Aber etwas ähnlich Anstrengendes habe ich selten erlebt. Lehrerin zu sein, ist manchmal schwieriger, als komplexe Photonensysteme zu verstehen“, sagt Blauensteiner.
Für die Quereinsteigerin gibt es keine Sonderbehandlung. Wie die anderen Lehrer muss auch sie Fächer unterrichten, die sie nicht studiert hat. Neben ihrem Studienfach Physik unterrichtet sie nun Turnen, technisches Werken, Informatik, Mathematik und Biologie. Das bedeutet für Blauensteiner vor allem eines: viel Vorbereitung. In ihren ersten Wochen als Lehrerin nützte sie jede freie Minute dafür. „Dennoch ist es sich nur knapp ausgegangen“, sagt Blauensteiner. Auch jetzt, zwei Monate später, braucht sie mindestens drei Stunden, um eine Unterrichtseinheit zu planen. Gerade die Vorbereitung von Versuchen kostet viel Zeit. Blauensteiner nimmt das aber durchaus gerne in Kauf. Denn von reinem Frontalunterricht hält sie nichts. „Ich unterrichte so, wie ich den Physikunterricht gerne gehabt hätte.“
Ganz ohne Frontalunterricht geht es trotzdem nicht. Während die Kinder ihrem Entdeckergeist freien Lauf lassen, wird es im Klassenzimmer immer lauter.