Montag, 15. April 2013

6 Parteien Konsens zur Verbesserung der 9. Schulstufe

BM Schmied und alle Bildungssprecherinnen und Bildungssprecher
einig: Polytechnische Schule soll aufgewertet werden.
Projektstart mit rund 10 Schulversuchen schon ab Herbst 2013. 

Wien - Die Bildungssprecherinnen und Bildungssprecher aller
Parlamentsfraktionen sowie Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied
haben bei einem "Runden Tisch" eine Stärkung und Weiterentwicklung
der Polytechnischen Schule vereinbart, die der zentralen
Brückenfunktion dieser Schulform gerecht wird. Die Polytechnische
Schule als Verbindung zwischen Abschluss der Pflichtschule und dem
Einstieg in das Berufsleben bzw. als Vorbereitung für eine
weiterführende Schule wurde von allen Bildungssprecherinnen und
Bildungssprecher als entscheidend für Jugendliche erkannt. 

Es herrscht  parteiübergreifender Konsens, dass die Polytechnische
Schule nicht abgeschafft, sondern gezielt so weiter entwickelt und
attraktiviert werden soll und dass  damit Bildungssackgassen
vermieden werden. Jugendlichen soll ein bestmöglicher Einstieg von
der Pflichtschule in die Berufsbildung bzw. in eine weiterführende
Schule gelingen. Gemeinsames Ziel aller Bildungssprecherinnen und
Bildungssprecher sowie der Bildungsministerin ist, dass durch dieses
Schulentwicklungsprojekt ein wesentlicher Beitrag zur Bekämpfung von
Jugendarbeitslosigkeit und von Schul- bzw. Ausbildungsabbruch
geleistet wird.

Die Bedeutung der 255 Polytechnischen Schulen in Österreich mit 
2.222 Lehrerinnen und Lehrer und 18.022 Schülerinnen und Schüler
(Schuljahr 2011/12), von denen 6.661 weiblich sind und 4.603 eine
andere Erstsprache als Deutsch angeben, für die weitere Ausbildung
und die Jugendbeschäftigung ist hoch: Rund 82,5% der PTS-
Schülerinnen und Schüler haben zum Schulschluss entweder eine fixe
oder zumindest gute Aussichten auf eine Lehrstelle, 7,5% der PTS-
Schülerinnen und Schüler besuchen eine weiterführende Schule. Das
heißt, dass etwa 90% der PTS- Schülerinnen und Schüler am Ende dieser
Schulstufe einen Ausbildungsplatz haben. Die schon jetzt praktizierte
gezielte Förderung nach Eignungen und Neigungen in den
Polytechnischen Schulen macht sich ebenfalls positiv bemerkbar: Mehr
als 86% der Jugendlichen ergreifen bzw. bekommen ihren Lehrplatz in
ihrem Fachbereich, den sie auch an der PTS gewählt haben. Diese im
internationalen Vergleich guten Werte sollen nun durch das gemeinsame
Schulentwicklungsprojekt aller Parlamentsfraktionen und des BMUKK für
die Polytechnische Schule weiter verbessert werden: "Wir wollen
keinen Jugendlichen ohne Ausbildungsabschluss zurück lassen."

Ab dem Schuljahr 2013/14 soll in rund 10 Pilotschulen bundesweit und
unter Einbeziehung der Pädagogischen Hochschulen sowie der
Schulaufsicht die Individualisierung und Modularisierung der
Polytechnischen Schule erprobt werden. Aufbauend auf diesen
Erfahrungen, die wissenschaftlich evaluiert werden, sollen in der
nächsten Legislaturperiode die Lehrpläne neu verfasst, formale
Möglichkeiten für Bildungsabschlüsse an den PTS geschaffen und
optional ein 2. Jahr Schulbesuch an den PTS für diejenigen, die es
wollen und brauchen, ermöglicht werden. 

Neue Schwerpunkte sollen eine Individualisierung und eine
Modularisierung in Vorbereitung auf die Berufsbildung sein. Umgesetzt
werden unter anderem die Schwerpunkte Berufsorientierung,
Persönlichkeitsentwicklung, Soft Skills, berufsbezogene vertiefende
Kenntnisse und Spezialmodule wie EDV-Planzeichnen, Kreativität,
Projektmanagement, Design etc. Für die konkrete Umsetzung werden enge
Kooperation der PTS mit  der Wirtschaft, den Berufsschulen und
anderen Schultypen angestrebt.

Eines der Ziele der Reform ist es, dass jene rund 6 Prozent der
Schülerinnen und Schüler in der Polytechnischen Schule ohne positiven
Abschluss einer NMS oder Hauptschule auch zertifizierte Abschlüsse
erreichen können - es soll die Möglichkeit geben, die vertiefte oder
grundlegende Allgemeinbildung der Neuen Mittelschule zu erreichen und
dadurch Berechtigungen für weitere Bildungswege zu erwerben, wenn die
entsprechenden Lehrplananforderungen erfüllt sind.

Im Bereich der Allgemeinbildung sollen für jeden einzelnen Schüler
und jede einzelne Schülerin jene Kompetenzen gefördert werden, die
auch als Module für weitere Bildungsschritte wie "Lehre mit Matura"
anerkannt werden und so eine konkrete Vorbereitung auf weitere
Bildungsschritte darstellen, auch ist regionsspezifisch eine
Anbindung an die Berufsschulen angedacht.

In den nächsten Wochen werden jene Standorte ausgewählt und
vorbereitet, an denen die Schulversuche starten.

Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied erklärt dazu: "Diese Einigung
ist richtungsweisend für das Bildungswesen in Österreich. Wir
schaffen mit der Aufwertung der Polytechnischen Schule attraktive
Bildungswege für die Jugendlichen an dem wichtigen Übergang zwischen
der Pflichtschule und der Sekundarstufe II. Dies ist ein weiterer
Schritt, damit alle Jugendlichen zu fundierten Abschlüssen kommen und
eine für sie passende weitere Ausbildung bekommen."

SPÖ-Bildungssprecher Abg. z. NR Elmar Mayer begrüßt die Pläne für die
Reform der Polytechnischen Schule: "Ziel ist: Es darf keine
Bildungssackgassen geben. Die geplanten Verbesserungen sind ein
wichtiger Beitrag dazu und helfen jungen Menschen bei der richtigen
Wahl ihrer weiteren Ausbildung."

ÖVP-Bildungssprecherin Abg. z. NR Christine Marek betonte, dass "wir
diesem Schulversuch sehr aufgeschlossen gegenüber stehen, weil es
höchst an der Zeit ist, eine Reform der Polytechnischen Schule in
Angriff zu nehmen. Schon heute wird dort hervorragende Arbeit
geleistet, die jedoch viel zu wenig gewürdigt wird". Man werde die
Evaluierung des Schulversuches genau analysieren, ob mit der
Modularisierung die Ziele erreicht werden können. "Klar ist aber,
dass es zu einem generellen Umdenken kommen muss. Polytechnische
Schulen sind keine Restschulen oder Sackgassen, sie müssen ein
einzigartiges Profil bekommen, nämlich die Berufsvorbereitung und die
Verfestigung von Grundkompetenzen. Damit verbunden muss es auch zu
einem gesellschaftlichen Umdenken kommen, denn es macht weder schul-
noch gesellschaftspolitisch Sinn, das 9. Schuljahr irgendwo
"abzusitzen", schon gar nicht in einer BMS oder BHS, wenn ohnehin
keine weiterführende Schullaufbahn angestrebt wird. In diesem Sinne
muss man auch in den Schulstufen darunter ansetzen und die Berufs-
und Bildungsberatung entsprechend verstärken", so Marek.

FPÖ-Bildungssprecher Abg. z. NR Dr. Walter Rosenkranz stellt fest:
"In vielen Ländern wird das österreichische System der
berufsbildenden Schulen als vorbildlich angesehen. Die
Polytechnischen Schulen sind ein Teil davon. Sie dürfen auch in
Zukunft nicht in eine Sackgasse führen, sondern sollen am Start einer
erfolgreichen Berufslaufbahn stehen. Die verbesserte Polytechnische
Schule muss als Karriereschule für unsere Kinder erhalten bleiben und
sie auf ein erfülltes Berufsleben vorbereiten, denn gut ausgebildete
Facharbeiter sind auch das Rückgrat unserer Wirtschaft."

Der Bildungssprecher der Grünen, Abg. z. NR Dr. Harald Walser
erklärt: "Es kommt nun zu einer Aufwertung dieses praxisnahen
Schultyps zu einem auch international anerkannten Modell für die
Schnittstelle Schule und Beruf. Unser Motto "Kein Kind zurücklassen`
bedeutet für uns Grüne in diesem Fall: Für jede und jeden 15-Jährigen
einen Schul- oder Ausbildungsplatz."

"Die 9. Schulstufe muss zu einem echten Berufsfindungsjahr für jene
jungen Menschen werden, die anschließend eine Lehre machen wollen.
Österreichs Wirtschaft braucht nämlich bestausgebildete Lehrlinge,
dazu bedarf es aber auch einer reformierten Polytechnischen Schule
mit einem nachweisbaren Bildungsabschluss. Daher ist dieser
Projektstart mit den zehn Schulversuchen zu begrüßen und es ist zu
hoffen, dass danach rasch eine echte Reform der Polytechnischen
Schule angegangen wird", sagte die BZÖ-Bildungssprecherin Abg. z. NR
Ursula Haubner.

Abg. z. NR Stefan Markowitz, Bildungssprecher des Team Stronach,
erklärt:  "Mir geht es bei dieser Reform, für die ich mich seit zwei
Jahren für die jungen Menschen in unserem Land einsetze, um die 
Aufwertung der Polytechnischen Schule insgesamt und die längst
überfällige Namensänderung im Sinne eines modernen
Dienstleistungsunternehmens. Die Anpassung an moderne Erfordernisse
mit einer Vielfalt an Lehrberufen soll den jungen Menschen in einer
unsicheren Lebensphase helfen, doch noch erfolgreich in einem
Lehrberuf Fuß zu fassen. Jeder einzelne junge Mensch ist ein Gewinn
für die Wirtschaft und ich freue mich, dass wir in Zukunft keine
Schüler ohne Abschluss haben werden. Wichtig ist die Umsetzung bis
September in den großen und problematischen Ballungsräumen wie Wien
oder Innsbruck und dass jetzt die Möglichkeit besteht, die Schulstufe
zu wiederholen, was bisher nicht gesetzlich geregelt war."

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Rückfragehinweis:
   Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
   Josef Galley
   Pressesprecher
   Tel.: +43-1-53120-5019
   mailto:josef.galley@bmukk.gv.at
   bmukk.gv.at
   
   mobil: +43-664-96-99-616
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