Univ.Prof.Dr. Joachim Bauer
Deutscher Forscher (Molekularbiologie, Neurobiologie) und Arzt mit Ausbildung als Internist, Psychotherapeut und Psychiater. Sein Spezialgebiet ist Psychosomatische Medizin.
Für seine Forschungsarbeiten erhielt er 1996 den renommierten Organon-Preis der deutschen Gesellschaft für biologische Psychiatrie.
Er lehrt als Universitätsprofessor an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
"Schmerzgrenze -
Vom Ursprung alltäglicher
und globaler Gewalt"
Linz, Neues Rathaus,
Donnerstag, 15. März 2012
Donnerstag, 15. März 2012
19.00 Uhr bis 21.00 Uhr
Um Platzreservierung wird gebeten >> Tel. 0732/603140
Ohne Aggression hätte die Menschheit nicht überleben können. Doch Aggression ist kein „Trieb“, wie Siegmund Freud behauptete. Es gibt keine tief in unserer Biologie verborgene „Macht des Bösen“, die für Amokläufe an Schulen, Überfälle in der S-Bahn, für ethnische Konflikte und Kriege verantwortlich gemacht werden könnte. Unser Gehirn bewertet Ausgrenzung und Demütigung wie körperlichen Schmerz und reagiert deshalb darauf mit Aggression.
In seinem Buch „Schmerzgrenze“ wirft Univ. Prof. Dr. Joachim Bauer nicht nur einen bahnbrechend neuen Blick auf das Phänomen der Gewalt. Er zeigt, warum es vor rund 10.000 Jahren – in Folge der sogenannten neolithischen Revolution und des damals einsetzenden zivilisatorischen Prozesses – zu einer dramatischen Zunahme zwischenmenschlicher Gewalt kommen musste.
Doch Aggression hat ihre Wurzeln nicht in einem geheimnisvollen dunklen Kämmerchen in der menschlichen Seele. Aggression, so Bauer, ist nicht selbst Teil des Motivationssystems, kein Trieb, sondern ein reaktives Verhaltenssystem, das zunächst dazu da ist, die körperliche Unversehrtheit zu bewahren: Wer einem Lebewesen Schmerz zufügt, wird Aggression ernten. Doch ebenso wie auf körperlichen Schmerz reagieren die Schmerzzentren des Gehirns auf Ausgrenzung und Demütigung. Auch wer einen Menschen unfair behandelt, demütigt, ausgrenzt oder missachtet, überschreitet seine Schmerzgrenze. Aggression, so Bauer, ist ebenso ein System, das den sozialen Zusammenhalt schützen soll.
Auch Armut bedeutet Ausgrenzung und Demütigung, zumal wenn sie sich im Angesicht von Reichtum ausbreitet. Wasser, Nahrung und Rohstoffe werden auf unserem Globus zur immer knapperen Ressource. Wenn wir das Problem der ungerechten Ressourcenverteilung nicht in den Griff bekommen, wird die Gewalt weltweit zunehmen und die menschliche Existenz bedrohen.
Der Mensch, so Bauer, ist seinem innersten Wesen nach sozial. Er besitzt eine natürliche Veranlagung zur Empathie, und sein Motivationssystem wird durch nichts so sehr auf Touren gebracht wie durch soziale Integration und Anerkennung.
Was den Kern der Moral angeht, bestätigt Bauer eine viel ältere Position: Wir müssen erkennen, so der Autor, dass es kein eindeutiges Gut oder Böse gibt und dass wir der Versuchung widerstehen sollten, uns selbst oder andere einer eindeutig moralischen oder unmoralischen Position zuzuordnen: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Und beruft euch nie wieder auf den Aggressionstrieb, wenn es euch nicht gelungen ist, menschenwürdige Lebensbedingungen zu schaffen.
Univ. Prof. Dr. Bauer veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, unter anderem „Das Gedächtnis des Körpers – Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern“, „Warum ich fühle, was du fühlst – Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneuronen“ sowie „Das kooperative Gen – Evolution als kreativer Prozess“.


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