Freitag, 4. Mai 2012

Gesetzesnovelle zur LehrerInnenauswahl durch DirektorInnen normiert bereits bestehende Praxis

Klubvorsitzende Jahn: " Mini-Novelle nach ÖVP-Mega-Ankündigungen." Inhaltlich spricht nichts dagegen, dass DirektorInnen an der Auswahl der Lehrkräfte für ihre Schule mitwirken dürfen – es entspricht vielmehr der bestehenden Praxis in Oberösterreichs Bildungslandschaft, dass sich der Bezirkschulinspektor hinsichtlich des konkreten Bedarfs mit der Schulleitung abspricht. Dennoch liegt dem heute tagenden Bildungsausschuss eine Gesetzesnovelle zum Landeslehrer-Diensthoheits-gesetz vor, mit der genau diese gelebte Praxis gesetzlich festgeschrieben werden soll. "Es hat ein wenig den Anschein von Effekthascherei, wenn die im zulässigen Rahmen des Gesetzes gelebte Praxis erneut gesetzlich festgeschrieben wird", äußert sich SPÖ-Klubvorsitzende Mag.a Gertraud Jahn skeptisch zur Vorgehensweise der zuständigen ÖVP-Bildungsreferentin Hummer. Die SPÖ wird der Novelle dennoch zustimmen, weil die wichtige Objektivierung von Lehrkräften erhalten bleibt und im Gegenteil zu den ursprünglichen ÖVP-Ankündigungen einer echten LehrerInnenauswahl durch SchulleiterInnen keine unmittelbaren Probleme in der schulischen Praxis zu erwarten sind. Bei 900 LehrerInnenbewegungen pro Jahr, insbesondere im Sommer, allein in Oberösterreich ist klar, dass eine – wie von Hummer ursprünglich angekündigt – Lehrkräfte-Auswahl durch DirektorInnen in der Praxis äußerst kompliziert ist. Das knappe Angebot der Lehrkräfte, der korrekte Ablauf des Auswahlverfahrens und die qualitative Verteilung auf die ver-schiedenen Schulstandorte müssten voll berücksichtigt werden. Auch die menschliche Frage, was mit Lehrkräften passieren solle, die von SchulleiterInnen abgelehnt würden und dadurch stigmatisiert seien, ist zu klären. "Oftmals entscheidet sich erst in der letzten Ferien-woche, ob es zu einer Klassenteilung kommt und damit eine neue Lehrkraft gebraucht wird. Das gilt es alles im Verfahren umfassend zu berücksichtigen, damit nicht zu Schulbeginn die Kinder ohne Lehrkraft in der Klasse sitzen", gibt Jahn zu bedenken. Substantielle Reformen zur Verbesserung des Personalmanagements im Schulsektor sind im vergangenen Jahr auf Bundesebene eingeleitet worden: So wurde im Bundes-Schulaufsichtsgesetz die Einrichtung eines Qualitätsmanagements normiert, sowie im Schul-unterrichtsgesetz die Aufgaben der Schulleitung ergänzt und verdeutlicht, welche Aufgaben von dieser im Hinblick auf die schulische Qualitätsentwicklung wahrzunehmen sind. Zudem werden konkrete Zielvereinbarungen für die einzelnen Schulen ermöglicht. "Diese konkreten Bildungsfortschritte von Bildungsministerin Schmied sind geprägt von Ernsthaftigkeit und Nachhaltigkeit. In Oberösterreich konzentriert sich Landesrätin Hummer darauf die gelebte Praxis gesetzlich nachzubilden", so die SPÖ-Klubvorsitzende.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Lehrer-Dienstrecht: SPÖ kritisiert Burgstaller


Linz (APA) - Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller hat mit ihrem Vorstoß, den Urlaub der Lehrer auf fünf Wochen zu verkürzen, auch für Ärger in den eigenen Reihen gesorgt. Aus Oberösterreich und Kärnten kam am Mittwoch Kritik. "Wer die Lehrerarbeitsplätze kennt, die es bei uns gibt, der macht so blöde Meldungen nicht", sagte der oberösterreichische SPÖ-Vorsitzende LH-Stv. Josef Ackerl in Linz.

Burgstaller gehe regelmäßig mit Dingen an die Öffentlichkeit, die nicht abgesprochen seien, kritisierte Ackerl. Man könne über alles reden, aber
"das einfach so hinzurotzen, stört nur das, was vielleicht in Entwicklung ist".

Kärntens SPÖ-Vorsitzender LHStv. Peter Kaiser kritisierte in einer Aussendung das "populistische Lehrer-Beschimpfen". Für ihn seien die Bildung und die Ausbildungsmöglichkeiten unserer Kinder eine der wichtigsten Voraussetzung für eine positive Zukunft. "Deswegen ist politischer Populismus hier völlig fehl am Platz und unverantwortlich gegenüber unseren Kindern und Jugendlichen", so Kaiser.
 
  (Presseaussendung vom 2. Mai 2012)

Lehrer-Dienstrecht: Schmied will für Schulen Unterstützungspersonal - Der Standard


Wien - Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will mehr Unterstützungspersonal - etwa für Sozialarbeit oder in der Administration - für die Schulen. Das erklärte sie am Mittwoch am Rande des Ministerrats vor den morgen startenden Verhandlungen zum neuen Lehrer-Dienstrecht. Einzelne Vorschläge wie jenen von der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ), den Urlaub der Lehrer auf fünf Wochen zu verkürzen, wollte sie nicht kommentieren. Ebenso hielt es Verhandlungspartnerin Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ).

"Wir werden ein Gesamtpaket übermitteln und darüber diskutieren", betonte Schmied. Aus den Dienstrechtverhandlungen werden jedenfalls "keine Großgruppenveranstaltungen". Sie habe viele Schulen besucht und dabei festgestellt, dass es Unterstützungspersonal für die Lehrer brauche: "Hier gibt es dringenden Handlungsbedarf." Wie viel Personal das sein sollte, werde sie den Verhandlungspartnern aber nicht über die Medien ausrichten.

Schmied will rasche Verhandlungen

Dienstag, 1. Mai 2012

SLÖ-FSG Forderungen zu den Dienstrechtsverhandlungen


Unsere Forderungen für die Dienstrechtsverhandlungen:

Die sozialdemokratischen PersonalvertreterInnen und GewerkschafterInnen ersuchen die Sozialpartner in den Dienstrechtsverhandlungen folgende Punkte zu berücksichtigen:

1)    Die erhöhte Arbeitsbelastung in vielen Pflichtschulen wird mit Diversi­tätszula­g­en abzugelten sein! Eine Gehaltskurve mit höheren Anfangs­gehältern allein bringt für KollegInnen in diesen Schulen keine Besoldungsgerechtigkeit.

2)    Die Kernkompetenzen von LehrerInnen liegen in Unterricht und Erziehung.
Für Administration, Betreuung, Therapie, pflegerische und medizinische Tätigkeiten wird es andere ExpertInnen geben müssen!

3)    In Volksschulklassen mit mehr als 20 Kindern werden zwei LehrerInnen ein­ge­setzt, damit als Basisleistung die sprachlichen, sozialen und motorischen Defizite der SchülerInnen im Sinne der nachfolgenden Bildungs­karriere eines jeden Kindes behoben werden können. Sonderpädagogische Förder­­maßnahmen müssen nach der Bedürfnislage der Kinder durch entsprechende Ressourcen gesichert sein.
Der nächste Finanzausgleich ist dement­sprechend zu gestalten!

4)    Schulen werden in Zukunft über eine pädagogisch-dienstrechtliche und eine administrative Schulleitung verfügen, da Pädagogik und Management unterschiedliche Kompetenzen bedingen.

5)    Eine gleichwertige Ausbildung aller LehrerInnen auf Masterniveau wird die Anstellungs­sicherheit beim Berufseinstieg erhöhen und bessere Berufsumstiegsmöglichkeiten bieten.

6)    Nur  flexible Lebensarbeitszeitmodelle werden einer aufgrund des geltenden Pensions­rechts längeren Lebensarbeitszeit gerecht werden können.

7)    Ein erweiterter Kündigungsschutz wird die LehrerInnen vor äußerem Druck bei Unterrichts­gestaltung und Leistungsbeurteilung bewahren.

Wir unterstreichen mit diesen Forderungen für die Zukunft, dass ein neues Dienst­recht nicht nur fiskalischen Aufgaben gerecht werden darf, sondern vor allem auf die täglichen Herausforderungen des Schulalltages Antworten geben muss.


Franz Turek                                                                     Anton Lauinger
SLÖ-Landesvorsitzender                                                    FSG-APS-Vorsitzender
Mitglied im ZA-PflichtschullehrerInnen                                 Landesleitungsmitglied der
Mitglied GÖD-APS Bundesleitung                                        PflichtschullehrerInnengewerkschaft
Tel.: 0699/81266739                                                            Tel.: 07674/64845
Email: franz.turek@slooe.at                                                 Email: a.lauinger@aon.at

Donnerstag, 26. April 2012

Frühkindliche Förderung "Frühe Förderung macht Gehirn leistungsfähiger" - Der Standard




foto: max-planck-institut leipzig



Manuela Macedonia: "Es geht in erster Linie darum, dass optimale kindliche Entwicklung kein Zufall bleibt, wie es bisher gewesen ist, und dass man sensible Entwicklungsphasen mit viel Wissen über das Gehirn gekonnt begleitet. Nur so kann das Potenzial jedes Kindes zur optimalen Entwicklung kommen."Sind Kinder Reizen ausgesetzt, kann das Gehirn besser wachsen, sagt die Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia




Nicht allein unsere genetische Veranlagung bestimmt die Leistungsfähigkeit des Gehirns. Es ist vor allem die frühkindliche Förderung, die zu einer besseren Vernetzung der Gehirnzellen führt. Kinder, die früh gefördert werden, haben auch später bessere Chancen, sich neues Wissen anzueignen. "Es geht in erster Linie darum, dass optimale kindliche Entwicklung kein Zufall bleibt", sagt Manuela Macedonia, Wissenschaftlerin am Max-Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, im Interview mit derStandard.at. Reize und die Umwelt beeinflussen die Gehirnentwicklung: "Wolfgang Amadeus Mozart wäre niemals Mozart geworden, wenn er als Sohn eines Senners im Salzburger Land ohne Zugang zu Musikinstrumenten aufgewachsen wäre."


derStandard.at: Warum soll man eine Fremdsprache in frühen Kinderjahren lernen?

Sonntag, 22. April 2012

Schmied will gleiches Gehalt für Unterstufenlehrer - ORF.at

Lehrer an der AHS-Unterstufe und der Hauptschule bzw. Neuen Mittelschule (NMS) sollen künftig die gleichen Einstiegsgehälter bekommen, bestätigt ein Sprecher von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) einen Bericht der Tageszeitung „Österreich“ (Sonntag-Ausgabe).

Immerhin gebe es an der AHS-Unterstufe und der NMS, die bis 2018/19 flächendeckend die Hauptschulen ersetzen soll, idente Bildungsziele und fast denselben Lehrplan. Auch für die AHS-Oberstufe und die berufsbildenden höheren Schulen (BHS) soll es demnach gleiche Einstiegsgehälter geben.

Derzeit verdienen Landeslehrer (u. a. Volks-, Haupt- und Sonderschule), die an den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet werden, rund 15 Prozent weniger als die Bundeslehrer mit ihrem Uniabschluss (AHS; berufsbildende mittlere und höhere Schulen, BMHS).
Mehr Geld für Schularbeitsfächer

Freitag, 20. April 2012

Landtagsdebatte >> Befristung der SchulleiterInnen!

ÖVP und GRÜNE wollen SchuldirektorInnen nur mehr befristet auf 5 Jahre bestellen.
SPÖ und FPÖ lehnen den Antrag wegen fehlender gründlicher Beratung und ungelöster Probleme ab.
Im Videostream des Landtags kann sich jeder ein eigenes Bild von der Debatte machen.

 http://www2.land-oberoesterreich.gv.at/internetlandtag/InternetLandtagSitzungAnsicht.jsp?lfdnr=46&rid=14&dummy=1334904261533

Museum Arbeitswelt: 25 Jahre MAW mit Günter Wallraff

Auf einen tollen Start in die heurige Ausstellungs- und Veranstaltungssaison folgt am 26. April schon der nächste Höhepunkt. Im Rahmen der Festveranstaltung zu 25 JAHREN MUSEUM ARBEITSWELT gastiert der legendäre deutsche Journalist, Bestsellerautor und Dokumentarfilmer GÜNTER WALLRAFF in Steyr, um einen Bogen von seinen wegweisenden Industriereportagen zu brandaktuellen Arbeiten über die Schattenseiten der modernen Arbeitswelt zu spannen.

Günter Wallraff gilt als einer der Erfinder des investigativen Journalismus im deutschsprachigen Raum. Mit 69 Jahren ist Wallraff nach wie vor journalistisch aktiv, um in verdeckten Rollen die dunklen Seiten gesellschaftlicher Realität zu beleuchten. Mit diesem Engagement dürfte er im MAW gut aufgehoben sein: 25 Jahre Museum Arbeitswelt sind schließlich auch ein Vierteljahrhundert engagierte Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen.

Veranstaltungsbeginn ist 19.00 Uhr. Auf Jubiläumsworte von Steyrs Bürgermeister Gerald Hackl, AKOÖ-Direktor Franz Molterer und EU-Parlamentarier Prof. Josef Weidenholzer folgt der mit Spannung erwartete Auftritt von Günter Wallraff. Der Eintritt ist frei, um zeitgerechte telefonische oder elektronische Anmeldung wird aufgrund des zu erwartenden Besucherandrangs unbedingt gebeten.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der von einer breiten Kooperationsplattform getragenen Reihe Arbeit | Zukunft statt. Diese wird tags darauf am 27. und 28. April mit dem zweitätigen Zukunftssymposium ARBEITEN UND WIRTSCHAFTEN WIE NOCH NIE! im Treffpunkt Dominikanerhaus fortgesetzt.

Wir freuen uns auf einen spannenden Abend und laden schon heute zu den Folgeveranstaltungen ein!


Nachstehend eine Auswahl der kommenden Veranstaltungen:

Günter Wallraff: Aus der schönen neuen Welt
Festveranstaltung 25 Jahre Museum Arbeitswelt
Donnerstag, 26. April 2012 um 19:00 Uhr
Museum Arbeitswelt Steyr
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Donnerstag, 19. April 2012

Hirnforscher fordert Umdenken bei Lehrern - (DiePresse.com)

Als Lehrer geeignet seien nicht die, die Kindern "nur was beibringen wollen", sagt Neurobiologe Gerald Hüther. Er entwickelt den Masterlehrgang "Potenzialentfaltungscoach".
"Wir haben uns geirrt", sagt der deutsche Neurobiologe Gerald Hüther. Nicht Gene entscheiden bei Kindern über Intelligenz, Dummheit oder Faulheit - sondern welche Möglichkeiten aus dem "riesigen Überschuss an Vernetzungsoptionen im Gehirn" durch Erwachsene bedient werden. "Jedes Kind ist im Grunde genommen hochbegabt", sagt der Hirnforscher von der Uni Göttingen, "jedes auf seine Weise talentiert. Und die einzigen, die blöd sind, sind wir (die Erwachsenen, Anm.)." Damit Lehrer von Wissensvermittlern zu "Schatzsuchern" werden, lanciert Hüther in Deutschland nun den Masterlehrgang "Potenzialentfaltungscoach", den er auch Pädagogischen Hochschulen (PH) in Österreich anbieten will.
Hüther will die modernen Erkenntnisse der Hirnforschung in die Bildungssysteme hineintragen, "damit sich dort jene Veränderungen umsetzen lassen, die eigentlich notwendig sind, damit unsere heranwachsende Generation die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern kann". In der Pädagogen-Ausbildung seien diese Erkenntnisse noch nicht angekommen. "Der Lehrer sieht sich nach wie vor wie im vorigen Jahrhundert als Wissensvermittler - das ist das Bild, das an Pädagogischen Hochschulen propagiert wird", so Hüther. "Es braucht eine andere Einstellung der Lehrer zu sich selbst, zu ihrer Rolle, den Schülern und Eltern." Zu Lehrern würden sich jene eignen, "die gerne Kinder inspirieren und ermutigen und nicht die, die ihnen nur was beibringen wollen".

Schwerpunkt in Österreich bei Ausbildung

In Österreich wird bei der geplanten neuen Lehrerausbildung daher ein "Schwerpunkt auf Lernen und Hirnforschung" gelegt, wie Andreas Schnider, Leiter des Entwicklungsrats für die neue Lehrer-Ausbildung, betont. "Wir führen derzeit unterschiedlichste Gespräche mit Persönlichkeiten, die wir uns mit an Bord vorstellen könnten", so Schnider. Hüther ist einer dieser Wissenschafter, deren Expertise u.a. zur Entwicklung möglicher neuer Weiterbildungsangebote an PH herangezogen wird. Ob beim geplanten offiziellen Start des Masterlehrgangs "Potenzialentfaltungscoach" 2013 in Deutschland auch österreichische Hochschulen mitmachen, könne man noch nicht sagen. "In diesem Stadium sind wir noch nicht", so Schnider, "das kann sich alles in unterschiedlicher Art und Weise entwickeln."

Montag, 16. April 2012

Salzburger Lerncafé: Die jungen Gesichter der Integration - JULIA NEUHAUSER (Die Presse)

Mahad aus Pakistan, Islam aus Tschetschenien und Benjamin aus Armenien: Sie verbringen ihren Nachmittag im Caritas-Lerncafé.
Salzburg. Schwungvoll öffnet Barbara Rokitansky die alte Holztüre. In der nächsten Sekunde schließt sie diese schon wieder. Auf und zu, immer wieder. „Knarren“, „die Tür knarrt“, „k-n-a-r-r-e-n“, sagt sie dabei. Dann geht sie vor die Tür und holt einen Kinderturnschuh. „Masche“, „ich binde eine Masche“, „M-a-sch-e“, beschreibt sie. Während die Lehrerin an ihrem Ohr zieht, wiederholt sie: „horchen“, „ich horche“, „h-o-r-ch-e-n“. Dabei hat sie einen aufmerksamen Zuhörer: den siebenjährigen Islam. Mit wachen Augen beobachtet der junge Tschetschene ihre Bewegungen, hört zu und versucht, die Worte zu wiederholen. Dann fällt sein Blick zurück auf das vor ihm liegende Lesebuch. „Lilo horcht“, liest er selbstständig. Ein kleiner Erfolg.
Nicht der einzige, der an diesem Nachmittag im Lerncafé der Caritas erzielt wird. 14 Kinder mit Migrationshintergrund nützen die Lern- und Nachmittagsbetreuung in den Räumlichkeiten der Pfarre St. Elisabeth im Salzburger Stadtteil Elisabeth-Vorstadt. Dort haben bis zu 80 Prozent der Einwohner Migrationshintergrund. Ein heterogener Stadtteil, in dem etwa Türken, Armenier, Syrer, Tschetschenen und Pakistani leben. Eines ist vielen dieser Familien gemeinsam: Den Eltern ist es nicht möglich, die Kinder auf dem Weg durch das österreichische Schulsystem zu unterstützen. Geld für Nachhilfestunden ist keines da, das oft niedrige Bildungsniveau und die mangelnden Deutschkenntnisse tragen ihr Übriges dazu bei. Seit vergangenem Dezember versuchen die Mitarbeiter des Lerncafés zu helfen – und zwar gratis.
 Pensionierte Lehrer helfen
„Ich fühle mich oft wie eine Schauspielerin“, sagt Barbara Rokitansky. Sie unterrichtet nicht nur an der benachbarten Volksschule Pestalozzistraße, sondern hilft auch im Lerncafé. Die Begriffe durch Bewegungen, Gesichtsausdrücke und Laute darzustellen, sei oft die einzige Möglichkeit, um den Kindern die Bedeutung von gewissen Wörtern verständlich zu machen. Wenn das dann so gut klappt wie bei Islam, ist die Freude groß.

Freitag, 13. April 2012

Porno und Bekanntschaften: Eltern unterschätzen Risiken im Internet (DiePresse.com)

Vor allem was sexuelle Inhalte und Treffen mit Online-Bekanntschaften angeht, seien Eltern oft blauäugig, so die Studie "EU Kids Online".
Eltern in Österreich unterschätzen die Gefahren, die im Internet auf ihre Kinder lauern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Forschungsverbundes EU Kids Online, für die mehr als 25.000 Kinder in Europa im Alter von neun bis 16 Jahren sowie je ein Elternteil im Vorjahr befragt worden sind. Österreich nimmt im Vergleich mit anderen EU-Ländern tendenziell einen Sonderstatus ein: Bei geringerer Internetnutzung begegnen Kinder dennoch vielen Risiken, heißt es in dem Bericht.

Die europäischen Experten kommen zu dem Fazit: Österreichische Eltern unterschätzen die Online-Risiken ihrer Kinder, vor allem was das Betrachten von sexuellen Darstellungen, das Erhalten von Nachrichten mit sexuellen Inhalten und das Treffen mit Online-Bekanntschaften angeht.

Pornografische Inhalte im Netz

Auf die Frage, ob sie in den vergangenen zwölf Monaten Bilder mit sexuellen oder pornografischen Inhalten im Internet gesehen haben, antworteten 17 Prozent der österreichischen Kinder mit "Ja". Von den Eltern dachten hingegen nur sechs Prozent, dass ihr Kind bereits solche Bilder im Netz gesehen hat.

Im Vergleich zu deutschen Kindern sind österreichische Heranwachsende viel öfter mit Bildern mit sexuellen Inhalten konfrontiert. 28 Prozent berichteten, im vergangenen Jahr in irgendwelchen Medien pornografische Darstellungen gesehen zu haben, in Deutschland taten das nur zehn Prozent.

Kontakt mit Fremden online

Nahezu jedes zweite Kind (45 Prozent) hatte in Österreich bereits mit Fremden online Kontakt, 16 Prozent haben schon Personen, die sie über das Internet kennengelernt haben, off line getroffen (im europäischen Schnitt trifft das lediglich auf neun Prozent der Befragten zu). Von den Eltern hat hingegen nicht einmal die Hälfte (sieben Prozent) angenommen, dass ihr Nachwuchs schon Online-Bekanntschaften im realen Leben getroffen hat.

Von Mobbing - online und off line - erzählten 28 Prozent der österreichischen Kinder, im europäischen Schnitt sind es lediglich 19 Prozent. Von Online-Mobbing sind hierzulande sieben Prozent der Mädchen und Buben betroffen, von den Eltern gehen nur vier Prozent davon aus, dass ihr Kind bereits online gemobbt wurde.

Eltern zuweilen blauäugig

Dass Mütter und Väter in Österreich Online-Risiken unterschätzen führt die Leiterin des österreichischen EU Kids Online-Teams, Ingrid Paus-Hasebrink von der Universität Salzburg, auf einen nur schwach ausgeprägten Diskurs über Medien, insbesondere über das Internet und die mit dem Internet verbundenen Risiken in Österreich zurück.

"Österreichische Eltern reagieren zuweilen recht blauäugig auf die Risiken, denen ihre Kinder begegnen - anders als deutsche Eltern; diese zeigen sich dagegen deutlich stärker besorgt. In Deutschland wird auf allen Ebenen, etwa der Politik, ein stärkerer Diskurs zu Medien geführt".

Unterrichtsbeginn um 9 Uhr: Keine seriösen Studien (DiePresse.com)

Die Tagesmüdigkeit dürfte weniger von der Aufstehzeit als von der Schlafdauer abhängig sein, heißt es von der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde.
In der laufenden Diskussion um einen späteren Unterrichtsbeginn in den österreichischen Schulen haben sich am Donnerstag die Österreichischen Kinderärzte zu Wort gemeldet: Aufgrund fehlender seriöser Studien könne aus kinder- und schlafmedizinischer Sicht keine seriöse Empfehlung einer generellen Verschiebung des Unterrichtsbeginns nach hinten gegeben werden, so Reinhold Kerbl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) in Graz.
"Ein späterer Schulbeginn kann seriös nach der derzeitigen Datenlage nicht generell empfohlen werden, denn für eine Empfehlung fehlen umfangreiche, europaweite Studien, vor allem an Kindern im Volksschulalter, die auch kulturelle und sozioökonomische Unterschiede berücksichtigen", so Kerbl in der Mitteilung. Der am LKH Leoben tätige Pädiater steht auch der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung als Präsident vor. Um die Frage für die "beste" Unterrichtsbeginnzeit für österreichische Verhältnisse wissenschaftlich fundiert zu beantworten, seien "umfassende Feldstudien" in Zusammenarbeit mit ausgewählten Schulen und öffentlichen Institutionen durchzuführen, so Kerbl.
Aus Kerbls Sicht gibt es mehrere Ursachen, warum viele Schüler mitunter über Tagesmüdigkeit klagen oder Schwierigkeiten haben, in der Früh aufzustehen: Eine im Jahr 2001 an Wiener Kindern im Alter zwischen 11 und 15 Jahren zur Häufigkeit von Schlafstörungen habe beispielsweise ergeben, dass die Tagesmüdigkeit weniger von der Aufstehzeit als von der davor liegenden Schlafdauer abhänge. Daraus ergebe sich, dass eine frühere Zubettgehzeit den gleichen Effekt wie ein späteres Aufstehen habe.