Schmied forciert Pädagogische Universitäten - Töchterle akzeptiert diese nur dort, wo es jetzt keine Unis gibt Wien - "Klare Worte" zur Zukunft der Lehrerbildung wünschte sich die "Task Force Lehramt" der Universitätenkonferenz vor Weihnachten von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle. Die Unis fürchten einen "Kampf der Institutionen" , bei dem sie im Rennen um die "PädagogInnenbildung neu" , die alle Pädagogen auf Masterniveau heben will, gegen die von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) forcierten Pädagogischen Hochschulen, die mit regulären Masterstudien zu Pädagogischen Universitäten werden sollen, verlieren könnten.
Pünktlich zu Beginn des neuen Jahres liefert der Wissenschaftsminister nun vehement Rückhalt für die Universitäten in der Frage, wer bei der geplanten gemeinsamen Lehrerbildung federführend sein soll. Im Standard-Gespräch lässt Töchterle keinen Zweifel daran, dass er die Unis, die Lehramtsstudien anbieten, quasi für die natürlichen Leitwölfe der zukünftigen Lehrerbildung hält.
Puls der Forschung an Unis Unter Verweis auf seine Expertise als Fachdidaktiker sagt der frühere Lateinprofessor der Uni Innsbruck: "Ich habe jahrzehntelang Lehrer ausgebildet, sogar eine fachdidaktische Dissertation geschrieben und jede Menge fachdidaktische Fachpublikationen. Für mich ist klar: Jegliche Fachausbildung sollte an der Uni sein, auch die des Hauptschullehrers. Je näher die Fachausbildung am Puls der Forschung ist, desto besser ist sie grundsätzlich. Auch die pädagogische Ausbildung sollte am Puls der Forschung sein - und der schlägt nun mal an den Unis."
Dieses Defizit im Bereich Forschung, die für eine forschungsgeleitete Lehre aber unumgänglich ist, wird auch
von Schmieds ministerieller Arbeitsgruppe zur Lehrerbildung gesehen - aber als für in zehn Jahren aufholbar
empfunden. Umgekehrt werfen die Pädagogischen Hochschulen den Unis vor, die Lehrerbildung und die
Vermittlung von pädagogisch-didaktischen Kenntnissen nicht wichtig genug zu nehmen.
Töchterle will "nicht verkennen, dass auch die Pädagogischen Hochschulen wesentliche Beiträge leisten
können" , aber: "Was ich nicht für sinnvoll halte, ist, aus diesen Pädagogischen Hochschulen Pädagogische
Universitäten zu machen. Das ist ein Weg, der 20 Jahre dauert, denn die haben einfach noch nicht das
Personal. Viele der dort Lehrenden haben gar nicht selber an der Uni studiert. Dort Fachausbildungen
anzusiedeln ist völlig sinnlos. Ich werde nicht anfangen, an der Pädagogischen Uni Physiklabore zu machen.
Auch eine germanistische Fachbibliothek werde ich dort nicht hinstellen. Darum ist es sinnvoll, wenn die
beiden Institutionen eng zusammenarbeiten und im besten Fall verschmelzen."
Ginge es nach dem Wissenschaftsminister, hieße das, dass überall da, wo eine Uni mit Lehramtsangebot ist,
die Uni die neue, gemeinsame Lehrerbildung führen soll: "Wo es keine Uni oder Voll-Uni gibt, da würde ich
akzeptieren oder auch einen Sinn drin sehen, wenn sich dort eine Pädagogische Hochschule zu einer
Universität entwickelt und zumindest in einem pädagogischen Bereich eine wissenschaftliche Expertise
aufbaut und in diesem engen Bereich auch lehren und vermitteln kann" , sagt Minister Töchterle.
Derzeit bilden 14 Pädagogische Hochschulen (fünf davon privat/kirchlich), die 2007 aus 51 pädagogischen
Akademien und Instituten entstanden sind, Pflichtschullehrer aus, die Unis jene für AHS und BMHS.
© (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD; Printausgabe, 9.1.2012)
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