Donnerstag, 15. Dezember 2011

Neue Repräsentativ-Umfrage „Jugend und Zeitgeist“

Anlässlich seines 10-Jahre-Jubiläums hat das Institut für Jugendkulturforschung eine Repräsentativ-Umfrage zum Thema „Wie denken und leben 16- bis 19-jährige?“ durchgeführt. Die Ergebnisse zeichnen ein bemerkenswertes Bild des jugendlichen Zeitgeistes. Die Studie ist im freien Verkauf erhältlich.
 
Ein guter Job, soziale Aufwärtsmobilität und die Gehaltsschere sind heiße politische Themen für Jugendliche, Freizeit mit Freunden, Internet statt Bücher und Auto statt Fahrrad sind Fixpunkte ihres Lifestyles.
Auch wenn soziale Fragen grundsätzlich beschäftigen, verbindet nur rd. ein Drittel der 16- bis 19-jährigen mit sozialer Gerechtigkeit die Forderung, dass „das Geld von den Reichen zu den Armen umverteilt wird“ (33%) oder dass „ärmere Leute vom Staat so viel Geld bekommen, dass ihr Lebensunterhalt gesichert ist“ (32%). Was auffällt, ist, dass Jugendliche den Zugang zu sozialen Fragen weniger von grundsätzlichen weltanschaulichen Positionen aus, sondern eher vom Bezugspunkt der persönlichen Betroffenheit suchen. Das klassische Wording der Umverteilungsdebatte ist der Generation der heute 16- bis 19-jährigen großteils fremd. Die Sozialpolitik diskutiert am Jargon der Jugend vorbei.
81% der jungen Frauen, jedoch nur für 48% der jungen Männer sehen das Schließen der Gehaltsschere als eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. 
Für beide Geschlechter bedeutet soziale Gerechtigkeit vor allem Job-Chancen und die Möglichkeit zu sozialer Aufwärtsmobilität: Jeweils rund 60% empfinden es als sozial gerecht, wenn „alle Menschen in Österreich die gleichen Chancen haben, auf der soziale Stufenleiter emporzusteigen“ (61%) und wenn „alle die Chance haben, einen guten Job zu finden“ (59%).
Ein sicherer Arbeitsplatz vor beruflicher Karriere prägt den Blick auf die Arbeitswelt
Zwei von drei Jugendlichen vertreten die Ansicht, ein sicherer Arbeitsplatz sei wichtiger als die berufliche Karriere. Gute Bezahlung wird als Job-Perspektive von männlichen Jugendlichen und Jugendliche in Ausbildung ohne Matura höher bewertet als von jungen Frauen sowie bildungsnahen Jugendlichen.Die klassische Lehre (ohne Matura) bedarf, wie die Studie zeigt, einer dringenden Image-Politur: Jeder zweite Jugendliche vertritt nämlich die Ansicht: „Wer keine Matura hat, ist am Arbeitsmarkt nichts mehr wert.“ Vor allem bildungsnahe Jugendliche blicken mit Bildungsdünkel auf Ausbildungen ohne Matura.
Faulheit und Mangel an Willenskraft werden am häufigsten als Gründe für Armut in Österreich genannt
Die heute 16- bis 19-jährigen sind in der Wettbewerbsgesellschaft sozialisiert. Für sie gilt: Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied oder umgekehrt: Wer in finanzielle Not gerät, ist vielfach selber Schuld. Faulheit und Mangel an Willenskraft werden am stärksten als Hauptgrund dafür genannt, dass Menschen in Österreich in Armut leben: 36% der 16- bis 19-jährigen vertreten diese Ansicht. Weitere 16% meinen, dies sei ein unvermeidbarer Bestandteil des modernen Fortschritts. Rd. ein Fünftel sieht Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft als den Hauptgrund dafür, dass Menschen in Österreich in finanzielle Not geraten.
In Sachen Lifestyle gilt: Internet statt Bücher, Ausgehen und Freizeit mit Freunden statt Familientreffen und möglichst wenig Politik
Rund 6 von 10 Jugendlichen definieren sich über ausgehen (64%), Internet (62%) und Freizeit mit Freunden und Freundinnen (59%). Auch Musik ist in den Lebenswelten der 16- bis 19-jährigen fest verankert. Bei jungen Frauen geht der Trend in Richtung „Musik zum Tanzen“, junge Männer tendieren hingegen eher zu „Musik zum Zuhören“. Sowohl Formatradio wie Ö3 als auch Spartenradio wie FM4 haben in den Lifestylewelten der 16- bis 19-jährigen Bedeutung und decken jeweils unterschiedliche Lifestyle-Bedürfnisse ab: 42% bevorzugen Formatradio als Tagesbegleiter, 34% entscheiden sich hingegen für den jugendkulturell klar konturierten Lifestyle von FM4. Markenklamotten sind für junge Männer deutlich wichtiger als für junge Frauen. Auch jugendkulturelle Szenen sind eher Männersache, lediglich in der Indie/Alternative-Szene und bei den Ökos haben junge Frauen die Nase vorne. Die quantitativ bedeutendsten Jugendszenen sind derzeit Fitness, Fußball, Hip-Hop und House. Politik hat in den Lifestyle-Welten der 16- bis 19-jährigen generell wenig Bedeutung. Konfrontiert man sie mit der Frage, was besser zu ihnen passt: eine politische Protestbewegung oder eine politische Partei, entscheiden sich 37% für die politische Protestbewegung, 24% für die Partei; rund 4 von 10 Jugendlichen  (39%) sagen hingegen, Politik passt überhaupt nicht zu mir, also weder noch.
Trotz aktueller Feinstaubdiskussion gilt: Auto ist für Jugendliche ein wichtiger Lifestyle-Faktor, das Fahrrad für die bereite Mehrheit hingegen nicht
Stellt man 16- bis 19-jährige WienerInnen vor die Wahl: Auto oder Fahrrad, entscheidet sich die Mehrheit für das Auto. Vor allem bei Jugendlichen in Ausbildung ohne Matura hat  Fahrrad fahren keine Chance: Lediglich 17% geben an, dass das Fahrrad besser zu ihnen passe als das Auto, 61% entscheiden sich hier klar für das Auto; der Rest setzt auf Öffis und positioniert sich mit weder noch.

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