Mittwoch, 26. Oktober 2011

Ausbau der Neuen Mittelschule sorgt für gemischte Reaktionen - OÖN

WIEN. Für eine bunte Melange an Reaktionen hat die am Dienstag verkündete Einigung der Regierung auf ein Gesetz gesorgt, mit dem die Hauptschule bis 2018 von der Neuen Mittelschule (NMS) abgelöst werden soll.

Aufatmen kam aus VP-nahen Kreisen, immerhin bleibt die AHS-Unterstufe erhalten. Anderen geht die Reform nicht weit genug: So sprechen Grüne und die Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens von einer Scheinreform. SP-nahe Organisationen sehen indes einen ersten Schritt in Richtung einer gemeinsamen Schule. Genau daran stößt sich die FPÖ, die vor der Abschaffung der AHS-Unterstufe warnt.

"Neue Mittelschulen sind nichts anderes als Hauptschulen mit neuem Namen", stellt FP-Bildungssprecher Walter Rosenkranz die Reform in Frage. Gleichzeitig warnte er, dass "nach den Hauptschulen als nächstes die Gymnasien im 'Schwarzen Loch' Neue Mittelschule verschwinden werden".
"Selektiv, leistungsfeindlich und ungerecht"
Auch die Grünen sehen keine Grund zum Jubeln: "Trotz neuer Kosmetik bleibt das Schulsystem in Österreich selektiv, leistungsfeindlich und ungerecht", so Bildungssprecher Harald Walser, für den nur eine Gemeinsame Schule ein "Mindestmaß an Chancengerechtigkeit über das regionale, finanzielle und soziale Umfeld der SchülerInnen hinaus" bringen könnte.
Für das BZÖ kann die NMS ebenfalls nur ein Kompromiss sein, so Bildungssprecherin Ursula Haubner. Zudem drohe der "heute angekündigte Meilenstein in der Bildungspolitik eher zu einem weiteren Stolperstein in dieser rot-schwarzen Koalition" zu werden, da die SPÖ weiter an der Gesamtschule und die ÖVP an dem differenzierten System festhalte.
Einen "Schritt in die richtige Richtung" sahen unterdessen sowohl die Arbeiterkammer (AK), der Gewerkschaftsbund (ÖGB) als auch zahlreiche weitere SP-nahe Organisationen. Ziel müsse aber eine gemeinsame Schule der Sechs- bis 14-Jährigen sein. Kritisch äußerte sich indes die Aktion Kritischer Schüler_innen, für sie sind die "Umtaufungen" der Hauptschulen "mehr ein Hohn als eine wirkliche Bildungsreform".
Ausreichend Zeit für Umsetzung
Positiv haben die Elternvertreter an öffentlichen Pflichtschulen reagiert. Der Verbandsvorsitzende Christian Morawek lobte, dass die Schulen nun ausreichend Zeit haben, sich auf die Umsetzung des "höherwertigen Bildungsangebots" vorzubereiten.
Die Initiatoren des Bildungsvolksbegehrens sprechen von einer Themenverfehlung: Die Umbenennung eines Schultyps führe nicht zur gemeinsamen Schule für alle Zehn- bis 14-Jährigen. "Das ist keine zukunftsweisende Reform", so Mitinitiator und VP-Bildungsexperte Bernd Schilcher.
Lob gab es von der Wirtschaftskammer für die Angebote zur Leistungsdifferenzierung und die bessere Durchlässigkeit. Für die Industriellenvereinigung ist die Umstellung der Hauptschulen auf NMS "ein richtiger Reformschritt, dem noch zahlreiche weitere Schritte folgen müssen". Der Wirtschaftsbund sieht mit der Leistungsdifferenzierung und der dazu erforderlichen Autonomie der einzelnen Schulen eine seiner zentralen Forderungen erfüllt.

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