Über 40 Nationen aus allen Kontinenten sind vertreten: 270 junge Menschen, viele schon in Österreich geboren, aber auch andere, die von Schlepperorganisationen zu uns gebracht wurden, unkundig der deutschen Sprache, manche sogar Analphabeten. Die Otto-Glöckel-Schule ist für sie alle ein Ort der Hoffnung: In „Sprachklassen“ werden ihnen Sprachkenntnisse und kulturellen Fertigkeiten vermittelt.
„Multikulti ist für mich Alltag“, sagt die Frau Direktor. Beide Seiten müssten aufeinander zugehen und etwas voneinander annehmen, nur so könne sich ein gedeihliches Miteinander entwickeln. „Unser Land hat in dieser Hinsicht eine lange Geschichte“, sagt Rabl, die sich selbst als „typische Österreicherin“ sieht, auch wenn sie wegen ihres dunklen Teints („den habe ich wohl von ungarischen Vorfahren geerbt“) oft gefragt wird, ob sie „überhaupt eine Österreicherin“ sei.
In Enns ist Martina Rabl aufgewachsen. Von der Mutter lernte sie die Aufgeschlossenheit für fremde Kulturen, vom Vater, einem ehemaligen Kommandanten und Lehroffizier des Bundesheeres, die Liebe zum Lehrerberuf. Nach der Matura am BRG Steyr absolvierte sie die PädAK in Linz und kam nach mehreren Stationen vor 20 Jahren an die Otto-Glöckel-Schule, wo man damals daranging, das Konzept des „interkulturellen Lehrens“ umzusetzen. Zwei Jahrzehnte unterrichtete sie in den Förderklassen Deutsch und Biologie und assistierte der Schulleitung in der Verwaltung. Als Direktorin ist sie jetzt Chefin von 40 Lehrern. Da sind Managerqualitäten gefragt. Organisieren, die Zeit einteilen, das habe sie durch die Doppelbelastung von Beruf und Familie gelernt. „Nebenbei“ steht sie kurz vor dem Abschluss eines Masterstudiums. Die spärliche Freizeit mit den drei Kindern und Gatten Hans-Peter, Berufsschullehrer in Steyr, verbringt sie am liebsten im Garten. An der Hauswand steht ein Feigenbaum, voll mit Früchten. Auch ein Pflänzchen, dem Martina eine Chance gegeben hat.
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