Sonntag, 4. Mai 2014
Mittwoch, 23. April 2014
„Herr Spindelegger, das Sparpotential im Bildungsbereich ist bereits ausgeschöpft.“
FSG-Landesvorsitzende der Pflichtschulen: „Verländerung bedeutet Kostenexplosion durch neun Parallelsysteme.“
„Der Bund ist für die Schulgesetzgebung zuständig. Der Bund
zahlt die LehrerInnen. Der Bund hat eine einheitliche LehrerInnenausbildung und
ein gemeinsames Dienstrecht geschaffen. Warum soll Österreich nun jedem
Bundesland sein Bildungsministerium finanzieren?“, fragen sich die FSG-
Landesvorsitzenden in der Gewerkschaft der PflichtschullehrerInnen, bei denen der alte
Vorschlag, die Bildungsverwaltung zu verländern, auf Unverständnis stößt. Eine Verländerung
der Zuständigkeiten würde zu einer Zersplitterung
des Schulwesens führen. Die FSG sei für einen solchen Schildbürgerstreich nicht
zu haben. Die Kosten würden explodieren
und über den Finanzausgleich zu einer Ungleichbehandlung der Länder und Schulen
führen.
„Österreichs Zukunft ist allein die Ausbildung seiner
Jugend“, halten die FSG- Vorsitzenden fest. „Ein Finanzminister, der dem
Bildungsressort Kürzungen verordnet und nur die Bankenrettung im Auge hat, ist
mit der Budgeterstellung überfordert. Kanzler Faymann soll dies seinem Vize
klar machen anstatt die Bildungsministerin und ihre Schulpartner budgetären
Begehrlichkeiten auszusetzen.“
Rückfragehinweise:
MMag. Dr. Thomas Bulant
FSG-Vorsitzender in der PflichtschullehrerInnengewerkschaft
1010 Wien, Schenkenstraße 4 / 5. Stock
Mail: thomas.bulant@apsfsg.at
Handy: 069919413999
Freitag, 11. April 2014
Finanzpolitik darf nicht Bildungspolitik betreiben!
Der SLÖ (Sozialdemokratischer LehrerInnenverein Österreichs) spricht sich klar gegen die Budgetkürzung im Bildungsbereich aus
um 57 Mio. Euro reduzieren. Zwar werden wichtige Reformprojekte, wie etwa der Ausbau der Kinderbetreuung und der Ganztagsschule, weiter verfolgt, das Problem jedoch bleibt: "57 Mio. sind kein Klacks, sondern werden an den Schulen deutlich zu spüren sein", stellte heute Patrick Wolf,
Vorsitzender des SLÖ, in einer ersten Reaktion fest. Die Kürzungen - so Wolf - hätten auch
demotivierende Auswirkungen auf die tausenden Lehrerinnen und Lehrer, die den bisherigen Reformkurs durch tägliches Engagement in der Klasse mittragen.
"Wie soll der bereits laufenden Reformkurs weiter verfolgt werden, wenn die dafür notwendigen finanziellen Mittel gestrichen werden?", fragt sich Wolf und bringt es auf den Punkt: "Hier wird der Zukunft unseres Landes einfach der Hahn abgedreht! Wir nehmen das keinesfalls hin. Bildungspolitik darf nicht dem Diktat der Finanzpolitik unterliegen!"
Sozialdemokratischer LehrerInnenverein Österreichs (SLÖ)
Patrick Wolf
Bundesvorsitzender
"Ein Land ohne Rohstoffe darf bei der Bildung nicht sparen!"
Bulant (FSG) lehnt Sparmaßnahmen auf Kosten der Bildungsqualität ab
Wien (OTS/FSG) - "Ich kann mir auch kein neues Auto kaufen, wenn ich mir nicht einmal die Wohnungsmiete leisten kann", stellt Thomas Bulant, Bundesvorsitzender der FSGPflichtschullehrerInnen, fest. "Neue Bildungsprojekte sind nur dann zu realisieren, wenn die Standards finanziell gesichert sind!" Durch das von Finanzminister Spindelegger verordnete Einsparungsziel droht unter anderem der Rückbau des TeamlehrerInnen-Einsatzes in der Neuen Mittelschule. "Das Unterrichtsressort soll mehr als 60 Millionen Euro einsparen. Das ist nicht zu akzeptieren, wenn die Regierung die flächendeckende 'Neue Mittelschule' möchte und in dieser Differenzierung und Individualisierung das Herzstück sind", zeigt Bulant auf. "Eine Neue Mittelschule light als Mogelpackung lehnen wir ab. Bund und Länder sind gefordert, die Doppelbesetzungen aller Stunden in Deutsch, Mathematik und Englisch zu sichern."
~
MMag. Dr. Thomas Bulant
FSG-Vorsitzender in der PflichtschullehrerInnengewerkschaft
BSA-LehrerInnen: Budgetkürzung bei Bildung "unverantwortlich" von Finanzminister Spindelegger
Wien (OTS) - Barbara Huemer, Vorsitzende der AHS-LehrerInnen im BSA, zeigt sich empört über die Budgetsituation der österreichischen Schulen: "Bei allem Verständnis für die schwierige finanzielle Lage: Sparen bei Bildung heißt Sparen an der Zukunft Österreichs. Es ist schlicht kurzsichtig, die zur Verfügung stehenden Mittel drastisch zu kürzen und damit Maßnahmen zu erzwingen, die die Qualität der Schulbildung extrem beeinträchtigen, wie etwa die Erhöhung der Teilungszahlen ab der 9. Schulstufe oder die Reduktion des Team Teaching in der neuen Mittelschule (NMS). Dadurch wird die Übertrittsproblematik von der NMS in die Sekundarstufe II weiter verschärft, wovon auch die berufsbildenden Schulen betroffen sind."
Stefan Wenka, Vorsitzender der BMHS-LehrerInnen im BSA, ergänzt: "Auch auf die berufsbildenden Schulen hat die Sparvorgabe des Finanzministeriums verheerende Auswirkungen: Die Erhöhung der Teilungszahlen in den Werkstätten und Labors führt zu einer Verschlechterung der Unterrichtsqualität."
"Die vom Finanzministerium vorgegebenen Sparziele für 2014/15 führen zu einer massiven Verschlechterung, wir fordern daher Minister Spindelegger auf, genügend Geld für einen qualitativ hochwertigen Unterricht bereitzustellen", so Huemer und Wenka abschließend.
BSA - Bund sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller & KünstlerInnen
Mag. Jakob Scholz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Samstag, 22. Februar 2014
Warum eine Grazer Gesamtschule für Zehn- bis 14-Jährige in allen Belangen besser abschneidet als vergleichbare Gymnasien. Ein Lokalaugenschein. Von Christa Zöchling / PROFIL
So wie sie da steht, ist diese Schule ein Moloch. In einem ehemaligen Gewerbeviertel im Westen von Graz, einer Gegend ohne Schönheit und Charakter, schwingt sich ein glänzendes Blechdach über einen riesigen Flachbau. Oberhalb einer Fassade aus Glas prangt blaues Gestänge aus Stahl, über die gesamte Länge. Und ein Fahrradabstellplatz für hunderte von Rädern gibt zu verstehen: Hier wird Wissen vermittelt – und zwar in großem Stil.
Mehr als 800 Schüler und Schülerinnen im Alter von zehn bis 18 Jahren strömen täglich in die „Klusemannstraße“. Rund 100 Lehrer und Lehrerinnen unterrichten hier an der sogenannten Neuen Mittelschule – zugleich auch Gymnasium und Realgymnasium.
Es ist früh am Morgen, die Schulglocke ist eben verklungen, doch keines der Kinder hier rennt um sein Leben die Treppen hinauf, die Treppen hinunter, ins Kellergeschoß mit den 828 pinkfarbenen Spinden, die Gänge entlang und in die Klassenzimmer hinein – weil es vielleicht zu spät dran sein könnte. Nur ein Junge im Rollstuhl rast dahin.
Viele Klassentüren stehen sperrangelweit offen. Auch auf den weiten Gängen lungern Mädchen und Buben um rote und gelbe Glastische, Köpfe über Bücher gebeugt, mit dem Nachbarn auf Englisch konversierend. Licht vom Winterhimmel fällt über die Glasfront ein. Es murmelt, summt, schrillt und tönt durchs ganze Haus.
In den Klassenzimmern stehen Schulbänke, wie es sie immer schon gab, mit einer Vertiefung fürs Federpennal und Raum für zappelnde Beinchen. Im Englischunterricht stehen, wie in allen Hauptfächern der Unterstufe, zwei Lehrer oder Lehrerinnen vor der Klasse.
Renate Schnelzer und Monika Haring sind seit 15 Jahren ein Team, zu einem mehrgestaltigen Wesen verschmolzen. Ein Blick genügt, ein Wink, und eine vollendet den Satz der anderen. „Von innen heraus haben wir eine gemeinsame Idee des Unterrichtens“, sagt Schnelzer. Die beiden strahlen Ruhe und Sicherheit aus, befleißigen sich einer Aussprache, die eines Radiosprechers würdig wäre, und sind „bloß“ Hauptschullehrerinnen.
In einer anderen Klasse ist die erfahrene Schnelzer, die sich im 40. Dienstjahr befindet, mit der jungen Julia Schindelka, einer AHS-Lehrerin, zusammengespannt. Hier kommt es vor, dass die Frauen einander ins Wort fallen oder ratlos ansehen.
Glücksfall
„Teamteaching“ ist hohe Kunst, kein Wettbewerb um Beliebtheit oder Autorität. Man muss es aushalten, dass der andere für manches begabter ist als man selbst, und sich ohne Hochmut der eigenen Stärken bewusst sein. Die ungleiche Bezahlung macht es nicht leichter. Hauptschullehrer bekommen weniger.
Für engagierte Lehrer war die „Klusemannstraße“ ein Glücksfall. Der steirische ÖVP-Landesschulratspräsident Bernd Schilcher, der sich selbst aus kleinen Verhältnissen nach oben gekämpft hat, war Ende der 1980er-Jahre auf die verzweifelte Suche nach einem Gymnasium gegangen, das sich mit Hauptschulen gemeinsam auf das Abenteuer einer Gesamtschule einlassen wollte. Er fand keines. Und so wurde ein neues Gymnasium – im Schulversuch war von einer „demokratischen Schule“ die Rede – auf die Wiese gestellt.
Die „Klusemannstraße“ ist heute ein Abbild der Grazer Gesellschaft in den Westbezirken von Graz mit einem Ausländeranteil von 20 Prozent. Auf die soziale Balance wird geachtet: Es werden gezielt auch Kinder aufgenommen, die mit schlechten Noten die Volksschule abgeschlossen haben und die, wie Direktor Klaus Tasch sagt, bisweilen später wie Raketen durchstarten. Und es gibt hier Kinder, die eine körperliche oder geistige Behinderung haben.
Selbst in jenen Klassen, in denen vom ersten Jahr an alle Fächer teilweise in Englisch unterrichtet werden, sitzen keine handverlesenen Sprachgenies, sondern Kinder, deren Eltern das wollten und die sich an den Sprechtagen auch sehen lassen.
Elitärer als in der „Klusemannstraße“ geht es in ihrer Dependance, der ehemaligen „Marschallschule“, heute „Klex“ genannt, zu. In einer Gegend in Graz, in der immer schon arme Leute wohnten. Vor zwei Generationen noch galt der alte Kasten als schwierige Unterrichtsschule. Heute wird dort mit offenen Lernformen experimentiert. Was auf den ersten Blick nach abgehobener Pädagogik riecht, erweist sich als radikale Weiterentwicklung der „Klusemannstraße“ – mit dem Wermutstropfen, dass hier ganz offfensichtlich der Nachwuchs von Bessergestellten, jedenfalls Akademikereltern, den Ton angibt.
Samstag, 1. Februar 2014
Entspannt euch! Kommentar | Lisa Nimmervoll31. Jänner 2014, 18:37
Die
österreichischen Schulen waren beim "Qualitätscheck", alle. Getestet
wurde, wie es ihnen gelingt, den Schülern in der vierten
Volksschulklasse das Mathematik-Wissen zu vermitteln, das "Standard" für
alle sein soll, und wie es bei den Schülern in der achten Schulstufe
mit deren Englischkenntnissen aussieht.
Das Ergebnis ist zum Teil no na und beruhigend: Wie anders als klar besser sollten denn die Gymnasien, die auf eine vorsortierte Schülerpopulation zurückgreifen können, bei einer solchen Testung abschneiden?! Alles andere wäre absurd und alarmierend.
Die Fakten: Der Anteil von Kindern mit Eltern, die einen Uni-Abschluss haben, ist in AHS mit 43 Prozent viermal so hoch wie in Hauptschulen (elf) und dreimal so hoch wie in Neuen Mittelschulen (14). Umgekehrt ist der Anteil der Kinder mit sehr hoher bzw. hoher sozialer Benachteiligung in Hauptschulen (19 Prozent) viermal, in NMS (25) fünfmal höher als in Gymnasien (5). Das sind Rahmenbedingungen, die vieles erklären.
Denn noch immer sind die Schülergruppen, die abgehängt werden, sehr klar zu identifizieren. Soziale Nachteile, die die Kinder von außen mitbringen, manifestieren sich noch immer als schlechtere Bildungsleistungen. Wer Eltern mit wenig Bildung hat, wird selbst wenig Bildung haben. Und "mit Migrationshintergrund" wird es noch schwieriger, in diesem System zu reüssieren. Das verhärtet und reproduziert soziale Schieflagen.
Gesellschaftliche Ungleichheitslagen sind aber kein ehernes Erbe. Die Leistungsdifferenz in Englisch, wo deutschsprachige und nichtdeutschsprachige Kinder quasi von einer Startlinie losrennen, erklärt sich fast zur Gänze aus Unterschieden im Sozialstatus, der Migrationsaspekt wirkt da nicht nachteilig. Das ist ein Ansatzpunkt, den die Politik - nicht nur die Schulpolitik, die kann es nicht allein! - ins Zentrum holen muss.
Dass die Neuen Mittelschulen diesen sozialen Chancenausgleich trotz schwierigerer Ausgangslage (mehr sozial stark benachteiligte Kinder und auch mehr Schüler mit Migrationshintergrund als die Hauptschulen) - und mit mehr Ressourcen, wohlgemerkt! -, schaffen und in Englisch gleiche Leistungen wie die Hauptschulen zustande bringen, zeigt: Wer sich bewusst mit der Zusammensetzung der Schüler und dem Unterricht, noch dazu im Lehrer-Tandem, auseinandersetzen muss, macht viel richtig. Es wirkt.
Die Analyse der Ergebnisse zeigt vor allem eines: Schule bzw. Schulpolitik muss sich stärker mit außerschulischen Rahmenbedingungen konfrontieren, wenn sie leisten will, was sie soll. Es bedeutet einen gravierenden Unterschied, ob man in einer Klasse unterrichtet, in der fast nur Kinder aus bildungsnahen, saturierten Familien sitzen oder in einer babylonischen Versuchsanordnung, in der viele den Kopf mit existenzielleren Problemen draußen vor dem Schultor voll haben.
Da hin müssen in Zukunft mehr Ressourcen. Mut zur Umverteilung - und die privilegierten Eltern müssen keine Angst haben, dass ihre Kinder benachteiligt werden könnten. Wer in einem Haus voller Bücher, CDs und genug Geld aufwächst, dem kann die Schule gar nicht wirklich schaden. Kein Grund zum Konkurrenzneid von oben.
Man möchte sagen: Entspannt euch! Es ist für euch und eure Kinder letztlich viel wichtiger, als ihr vielleicht ahnt, ob die, die jetzt in der Schule an den Pannenstreifen gedrängt werden, danach immer noch nicht fahrtüchtig sind, um durchs Leben zu kommen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 1.2.2014)
Das Ergebnis ist zum Teil no na und beruhigend: Wie anders als klar besser sollten denn die Gymnasien, die auf eine vorsortierte Schülerpopulation zurückgreifen können, bei einer solchen Testung abschneiden?! Alles andere wäre absurd und alarmierend.
Die Fakten: Der Anteil von Kindern mit Eltern, die einen Uni-Abschluss haben, ist in AHS mit 43 Prozent viermal so hoch wie in Hauptschulen (elf) und dreimal so hoch wie in Neuen Mittelschulen (14). Umgekehrt ist der Anteil der Kinder mit sehr hoher bzw. hoher sozialer Benachteiligung in Hauptschulen (19 Prozent) viermal, in NMS (25) fünfmal höher als in Gymnasien (5). Das sind Rahmenbedingungen, die vieles erklären.
Denn noch immer sind die Schülergruppen, die abgehängt werden, sehr klar zu identifizieren. Soziale Nachteile, die die Kinder von außen mitbringen, manifestieren sich noch immer als schlechtere Bildungsleistungen. Wer Eltern mit wenig Bildung hat, wird selbst wenig Bildung haben. Und "mit Migrationshintergrund" wird es noch schwieriger, in diesem System zu reüssieren. Das verhärtet und reproduziert soziale Schieflagen.
Gesellschaftliche Ungleichheitslagen sind aber kein ehernes Erbe. Die Leistungsdifferenz in Englisch, wo deutschsprachige und nichtdeutschsprachige Kinder quasi von einer Startlinie losrennen, erklärt sich fast zur Gänze aus Unterschieden im Sozialstatus, der Migrationsaspekt wirkt da nicht nachteilig. Das ist ein Ansatzpunkt, den die Politik - nicht nur die Schulpolitik, die kann es nicht allein! - ins Zentrum holen muss.
Dass die Neuen Mittelschulen diesen sozialen Chancenausgleich trotz schwierigerer Ausgangslage (mehr sozial stark benachteiligte Kinder und auch mehr Schüler mit Migrationshintergrund als die Hauptschulen) - und mit mehr Ressourcen, wohlgemerkt! -, schaffen und in Englisch gleiche Leistungen wie die Hauptschulen zustande bringen, zeigt: Wer sich bewusst mit der Zusammensetzung der Schüler und dem Unterricht, noch dazu im Lehrer-Tandem, auseinandersetzen muss, macht viel richtig. Es wirkt.
Die Analyse der Ergebnisse zeigt vor allem eines: Schule bzw. Schulpolitik muss sich stärker mit außerschulischen Rahmenbedingungen konfrontieren, wenn sie leisten will, was sie soll. Es bedeutet einen gravierenden Unterschied, ob man in einer Klasse unterrichtet, in der fast nur Kinder aus bildungsnahen, saturierten Familien sitzen oder in einer babylonischen Versuchsanordnung, in der viele den Kopf mit existenzielleren Problemen draußen vor dem Schultor voll haben.
Da hin müssen in Zukunft mehr Ressourcen. Mut zur Umverteilung - und die privilegierten Eltern müssen keine Angst haben, dass ihre Kinder benachteiligt werden könnten. Wer in einem Haus voller Bücher, CDs und genug Geld aufwächst, dem kann die Schule gar nicht wirklich schaden. Kein Grund zum Konkurrenzneid von oben.
Man möchte sagen: Entspannt euch! Es ist für euch und eure Kinder letztlich viel wichtiger, als ihr vielleicht ahnt, ob die, die jetzt in der Schule an den Pannenstreifen gedrängt werden, danach immer noch nicht fahrtüchtig sind, um durchs Leben zu kommen. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 1.2.2014)
Dienstag, 24. Dezember 2013
Mittwoch, 11. Dezember 2013
Euren Stillstand möchten wir haben! Sepp Wall-Strasser, DerStandard.at
Österreich beweist der Welt, dass es sozialer geht, aber Neoliberale arbeiten dagegen
"Euren Stillstand möchten wir haben!" Das sagte ein hochrangiger deutscher Gewerkschafter einem österreichischen Publikum unlängst. Überall beneiden uns die Regierungen um den Zustand in unserem Land, um eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, um unsere Einkommen und unseren Wohlstand. Dennoch spricht alles in den Medien von Stillstand und Reformstau.Kanzlerin Angela Merkel erreichte fast die absolute Mehrheit, obwohl Deutschland im Lohnniveau hinter Österreich herhinkt, eine höhere Arbeitslosenrate aufweist, und höher verschuldet ist. Hierzulande mussten als Folge der Blockadepolitik der ÖVP die beiden größeren Parteien zittern, überhaupt noch eine Mehrheit an Mandaten zu bekommen. Auf dieses Schlechtreden der eigenen Politik können die Sozialstaatshasser wie Strache, Stronach oder ihre Softversion - die Neos - gut aufsetzen. Wenn die Hälfte der Regierung ihre Politik nicht mehr verteidigt, haben es politische Rattenfänger leicht.
Es gibt kaum ein Land in Europa, das zuletzt sozialpolitische Verbesserungen erreichen konnte. Im Gegenteil: Fast überall ging man daran, Leistungen zurückzuschrauben. Österreich führte eine Mindestsicherung für alle ein, sichert allen medizinische Grundversorgung, ein Mindestlohn von 1300 Euro gilt de facto für alle, eine Bankenabgabe, die Verursacher der Finanzkrise wenigstens ein wenig zur Kasse bittet, kam.
Genau das ist das Problem, das viele Interessengruppen mit Österreich haben: dass wir am (Ausbau des) Sozialstaat(es) festhalten. Unser "Problem" besteht vor allem darin, dass wir noch nicht so tief gesunken sind bzw. uns noch nicht eine desaströse Sparpolitik verordnet haben. Seit Jahren schreit die OECD Zeter und Mordio wegen unseres Pensionssystems. Ebenso lange zeigt die OECD auf, dass bei uns Vermögen viel zu wenig besteuert sind. Das lässt man in der veröffentlichten Propaganda geflissentlich beiseite. Dabei wissen alle, die sich mit der Pensionsproblematik beschäftigen, dass Pensionssicherung auf dem Prinzip der Vollbeschäftigung beruht. Aber das will niemand hören.
Wir brauchen kräftige Besteuerung des Reichtums, neuen sozialen Wohnbau, Investitionen ins Energiesparen, keine Sparpolitik, die einfache Leute und den Mittelstand schröpft. Aber genau das ist ja nicht gemeint. Alle geforderten Reformen bedeuten Verschlechterung. Reformiert soll der Sozialstaat werden. Denn er ist dem Kapital im Wege. Es geht uns deswegen noch gut, weil und nicht obwohl wir am Wohlfahrtsstaat festgehalten haben. Wir beweisen der Welt, dass es auch anders - sozialer - geht. Deswegen sind wir neoliberalen Sozialstaatsabbauern ein Dorn im Auge. Sie sehen jetzt eine Chance, dieses für sie viel zu soziale Österreich zu knacken. Und die ÖVP macht da kräftig mit.
Eiskalte Austeritätspolitik wird heraufbeschworen, vor allem von Journalisten und dem Boulevard. Das Ergebnis kann jeder sehen, der sich für die Lage nicht nur in Griechenland, Spanien oder Rumänien, sondern auch in Deutschland interessiert. Aber das scheint ja alles so fern. (Sepp Wall-Strasser, DER STANDARD, 11.12.2013)
Sonntag, 20. Oktober 2013
BRAIN DAYS 2013 - Ein voller Erfolg!
Das
Schul- und Erziehungszentrum (SchEz) und der Sozialdemokratische
LehrerInnenverein OÖ (SLÖ) veranstalteten
am 18. und 19. Oktober 2013 das
Symposium „Brain Days“ mit den Themen
Denken, Lernen und Fühlen aus Sicht der Gehirnforschung.
Frau Klubobfrau
Mag.a Gertraud Jahn hielt vor mehr als 200 TeilnehmerInnen dieses
hochinteressanten Symposiums ihre Eröffnungsrede.
Unter
Leitung von Frau Dr.in Manuela Macedonia vom Max-Planck-Institut für
Kognition und Neurowissenschaften in Leipzig und weiteren hochkarätigen
ReferentInnen der Universität Heidelberg und vom Zentralinstitut für Seelische
Gesundheit in Mannheim,
konnten die
TeilnehmerInnen ihren Wissensdurst nach mehr Informationen darüber, wie das
Gehirn des Menschen funktioniert, stillen.Beim Symposium „Brain Days“ präsentierten renommierte Wissenschaftler Aktuelles aus der Gehirnforschung in Kurzvorträgen und Workshops. Ein Mix an Vorträgen zu verschiedenen jedoch zusammen hängenden Themen wird angeboten. Laien bekamen schrittweise Einführungen zu den Inhalten, erfuhren über aktuelle Forschung und konnten mit den Experten ihre Fragen diskutieren. Die TeilnehmerInnen erhielten einen wichtigen Einblick, wie Lernen überhaupt gelingen kann, welche Voraussetzungen und Bedingungen effizientes Lernen hat und welche Problemlagen sich damit ergeben können.
Ziel dieser
Tagung war es, allen Interessierten den Wissenstransfer von der Erforschung des
Gehirns zur Lernpraxis zu ermöglichen. In Vorträgen und Workshops erklärten
ExpertInnen, wie das Gehirn etwa bezüglich sozialem Verhalten, der Sprache, der
Emotion und im Bereich der Musik funktioniert. Weitere Schwerpunkte sind das
Thema Aggression und die Bedeutung von Bewegung für das Lernen. Es wurde der
Frage nachgegangen, wie sich die Vorgänge in unseren Köpfen auf unser tägliches
Leben auswirken.
Die Brain Days 2013
stellten eine Fortsetzung der Brain Days 2012 dar. Sie waren vollständig
ausgebucht, 220 Personen konnten einen Platz erhalten.
Gleichzeitig
wurde bei diesem Symposium das Buch
„Gehirn für Fortgeschrittene!“ zum ersten Mal präsentiert. Es ist eine
Fortsetzung des bereits ausverkauften 1. Buches „Gehirn für Einsteiger“.
Dieses Buch legt in anschaulicher
und verständlicher Weise neueste und wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse
darüber vor, wie man sich an dieses hochkomplexe Gebiet „Gehirn und Lernen“
herantasten kann und entlarvt so allerlei Falschannahmen und trendigen,
überholten Common Sense in Bezug auf dieses Gebiet.
Die limitierte Printausgabe von
“Gehirn für Fortgeschrittene” wird vom SchEz direkt um € 15.-verkauft. Informationen
dazu finden Sie auf der SchEz Homepage. Bestellungen richten Sie bitte direkt
an sekretariat@schez.at.
Wir ersuchen wir um Berichterstattung
in ihrem Medium
Lizenzfreie Fotos sind unter http://www.cityfoto.at/galerie/9413
und HTTP://www.cityfoto.at/galerie/9412/ erhältlich.
und HTTP://www.cityfoto.at/galerie/9412/ erhältlich.
Samstag, 5. Oktober 2013
Die Bildung könnte der Wahlsieger sein - DerStandard.at -- Kommentar der anderen | Karl Heinz Gruber, 4. Oktober 2013, 19:22
Vier Felder, die im Bildungssystem beackert gehören, und ein Aufruf dazu, allenfalls auch internationale Hilfe zu holen
In
so gut wie allen Stellungnahmen zum Wahlergebnis und bei allen
Mutmaßungen über die Prioritäten der nächsten Regierung wurde als erstes
Thema "Bildung" genannt. Einmal davon abgesehen, dass Politiker zu
glauben scheinen, dass ein (Lippen-)Bekenntnis zur Bildung immer gut
wirkt, wäre es klug und hoch an der Zeit, diese offensichtlich für eine
Bildungsreform günstige Situation für eine umfassende Bestandsaufnahme
der Stärken und Schwächen des österreichischen Schulwesens zu nutzen und
einen nationalen Bildungsgesamtplan mit klaren, realistischen und
leistbaren Prioritäten zu formulieren.
Für eine Bildungs-Euphorie gibt es allerdings aus mehreren Gründen keinen Anlass. Bildungsreformen sind keine sofort wirksamen administrativen Kurskorrekturen wie etwa die Einführung einer Vermögenssteuer oder die Förderung von Solaranlagen. Bildungsreformen erfordern die Einsicht und Bereitschaft der Betroffenen, also Lernprozesse, die Zeit und oft auch zusätzliche Ressourcen brauchen. Klare Prioritäten sind deswegen notwendig, weil soziale Systeme und Institutionen wie Schulen nur ein bestimmtes Maß an Innovation verkraften können; wird ihnen zu viel Neues in zu kurzer Zeit zugemutet, reagieren sie mit Verweigerung oder Apathie.
Die neue Regierung muss bildungspolitisch weder das Rad noch das Feuer neu erfinden. Sie kann auf die Überlegungen zurückgreifen, die in das Bildungsvolksbegehren eingeflossen sind, und sie kann sich daran orientieren, was sich international als reformtauglich erwiesen hat und die OECD seit Jahrzehnten unter dem Slogan "What works" empfiehlt. In vier Entscheidungsfeldern scheint der Handlungsbedarf am vordringlichsten:
Vorschulerziehung Vor etlichen Jahren wurden bei einer großen OECD-Bildungskonferenz den Experten diese Frage gestellt: Wenn Sie Ihrer Regierung nur eine einzige Reformmaßnahme empfehlen könnten, was wäre das? Mit großer Mehrheit war die Antwort: zwei Jahre qualitätsvolle Vorschulerziehung. Die neue Bundesregierung sollte sich daher mit den Ländern und den Gemeinden bemühen, für alle Kinder einen Rechtsanspruch auf zwei Jahre gute ganztägige Vorschulerziehung einlösbar zu machen. Manche Familien werden diesen Anspruch nicht voll ausschöpfen wollen oder müssen, während insbesondere nichtdeutschsprachige Kinder und ihre Mütter kompensatorische, integrationsträchtige Zusatzförderung brauchen.
Schulorganisation Dass die Selektion von neuneinhalbjährigen Kindern für gymnasiale Schulkarrieren und die damit verbundene soziale Segregation ein Relikt des ständischen 19. Jahrhunderts sind, ist empirisch vielfach bewiesen und einer fairen, offenen, demokratischen Gesellschaft nicht würdig. Die frühe schulische Auslese beruht nicht auf verlässlichen Prognosen der zukünftigen intellektuellen Leistungsfähigkeit (diese sind nicht möglich), sondern auf den unterschiedlichen Aspirationen von bildungsnahen oder bildungsfernen Eltern. Diese Auslese ist volkswirtschaftlich unhaltbar: Sie amputiert die Bildungsambitionen vieler Kinder und lässt viele Begabungen brachliegen. Die Neue Mittelschule ist ein bedauerliches Kompromissprodukt. Was geboten ist und in der Mehrzahl der erfolgreichen OECD-Länder längst existiert, ist eine gemeinsame, selbstverständlich nach Begabungen und Interessen differenzierende Mittelschule der 10- bis 15-Jährigen.
Für eine Bildungs-Euphorie gibt es allerdings aus mehreren Gründen keinen Anlass. Bildungsreformen sind keine sofort wirksamen administrativen Kurskorrekturen wie etwa die Einführung einer Vermögenssteuer oder die Förderung von Solaranlagen. Bildungsreformen erfordern die Einsicht und Bereitschaft der Betroffenen, also Lernprozesse, die Zeit und oft auch zusätzliche Ressourcen brauchen. Klare Prioritäten sind deswegen notwendig, weil soziale Systeme und Institutionen wie Schulen nur ein bestimmtes Maß an Innovation verkraften können; wird ihnen zu viel Neues in zu kurzer Zeit zugemutet, reagieren sie mit Verweigerung oder Apathie.
Die neue Regierung muss bildungspolitisch weder das Rad noch das Feuer neu erfinden. Sie kann auf die Überlegungen zurückgreifen, die in das Bildungsvolksbegehren eingeflossen sind, und sie kann sich daran orientieren, was sich international als reformtauglich erwiesen hat und die OECD seit Jahrzehnten unter dem Slogan "What works" empfiehlt. In vier Entscheidungsfeldern scheint der Handlungsbedarf am vordringlichsten:
Vorschulerziehung Vor etlichen Jahren wurden bei einer großen OECD-Bildungskonferenz den Experten diese Frage gestellt: Wenn Sie Ihrer Regierung nur eine einzige Reformmaßnahme empfehlen könnten, was wäre das? Mit großer Mehrheit war die Antwort: zwei Jahre qualitätsvolle Vorschulerziehung. Die neue Bundesregierung sollte sich daher mit den Ländern und den Gemeinden bemühen, für alle Kinder einen Rechtsanspruch auf zwei Jahre gute ganztägige Vorschulerziehung einlösbar zu machen. Manche Familien werden diesen Anspruch nicht voll ausschöpfen wollen oder müssen, während insbesondere nichtdeutschsprachige Kinder und ihre Mütter kompensatorische, integrationsträchtige Zusatzförderung brauchen.
Schulorganisation Dass die Selektion von neuneinhalbjährigen Kindern für gymnasiale Schulkarrieren und die damit verbundene soziale Segregation ein Relikt des ständischen 19. Jahrhunderts sind, ist empirisch vielfach bewiesen und einer fairen, offenen, demokratischen Gesellschaft nicht würdig. Die frühe schulische Auslese beruht nicht auf verlässlichen Prognosen der zukünftigen intellektuellen Leistungsfähigkeit (diese sind nicht möglich), sondern auf den unterschiedlichen Aspirationen von bildungsnahen oder bildungsfernen Eltern. Diese Auslese ist volkswirtschaftlich unhaltbar: Sie amputiert die Bildungsambitionen vieler Kinder und lässt viele Begabungen brachliegen. Die Neue Mittelschule ist ein bedauerliches Kompromissprodukt. Was geboten ist und in der Mehrzahl der erfolgreichen OECD-Länder längst existiert, ist eine gemeinsame, selbstverständlich nach Begabungen und Interessen differenzierende Mittelschule der 10- bis 15-Jährigen.
Donnerstag, 19. September 2013
Samstag, 6. Juli 2013
FSG: Die Weiterentwicklung des Regierungsentwurfs könnte neue Verhandlungsqualität bringen
LehrerInnendienstrecht setzt notwendige pädagogische Impulse
„Lehrverpflichtung ist Unterrichtsverpflichtung plus
Beziehungsarbeit. Ich sehe unsere Gleichung in der letzten Weiterentwicklung
des Regierungsentwurfs erstmals anerkannt“, stellt Thomas Bulant,
Bundesvorsitzender der FSG PflichtschullehrerInnen, fest. „Die Regierung hat
aufgegriffen, dass ein Dienstrecht auch pädagogische Impulse setzen muss.“
In der Neuen Mittelschule sind heute schon
Kinder-Eltern-LehrerInnen-Gespräche implementiert. Laut Bulant könnten
LehrerInnen aller Schularten zum Beispiel mit Lernberatung und
Schülersprechstunden punkten. „Wir leisten vieles, was unsere Schulpartner
nicht mehr missen wollen“, sagt Bulant. „Ich bin optimistisch wie die
KollegInnen aus der BMHS, dass diese Leistungen über die Unterrichtsarbeit
hinaus wertgeschätzt in die Dienstrechtsverhandlungen einfließen werden.“
Rückfragehinweis:
FSG-GÖD-Presse
Franz Fischill
Tel.: (01) 534 44/39 266
Mobil: 0664/814 63 11
e-mail: franz.fischill@oegb.at
FSG-GÖD-Presse
Franz Fischill
Tel.: (01) 534 44/39 266
Mobil: 0664/814 63 11
e-mail: franz.fischill@oegb.at
Freitag, 5. Juli 2013
HTL-Professor und Handarbeitslehrerin nicht vergleichbar? SIBYLLE HAMANN (Die Presse)
Ein wunderbarer Satz von Finanzministerin Maria Fekter hat viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Obwohl er vier fundamentale Schieflagen unserer Arbeitswelt sehr präzise benennt.
Absicht war dieser Satz
wahrscheinlich nicht: „Eine Handarbeitslehrerin in der Volksschule ist
nicht mit einem Technikprofessor an der HTL vergleichbar“, sagte Maria
Fekter. Sie meinte die Verhandlungen über das neue Lehrerdienstrecht.
Doch dieser Satz verdient es, genauer untersucht und gewürdigt zu
werden.
Vier Hierarchiepaare stecken drin. Das erste: Volksschule und HTL,
die kleinen und die großen Kinder also. Mit kleinen Kindern zu arbeiten
sei weniger wert, als mit großen Kindern zu arbeiten – darüber herrscht
in Österreich Konsens. Es bringt weniger Prestige und weniger Geld. Aber
warum eigentlich? Daran, dass das kleine Einmaleins leichter ist als
die Integralrechnung, kann es nicht liegen. Ist es etwa leichter,
Kindern Ersteres beizubringen? Braucht es dafür weniger Gespür, weniger
didaktische Fähigkeiten, weniger soziale Kompetenz?
Eher ist es
umgekehrt: je jünger die Kinder, desto größer die Verantwortung. Was im
Kleinkindalter passiert (oder nicht passiert), legt schließlich den
Grundstein für den gesamten weiteren Bildungsweg. In anderen Branchen
wird mehr Verantwortung mit mehr Geld und Ehre belohnt, oder?
Verwandt
mit diesem Hierarchiepaar ist das zweite: die Lehrerin und der
Professor. Ja, da legt die AHS-Lehrergewerkschaft viel Wert drauf, dass
die beiden nicht miteinander verwechselt werden. „Professor“ nennt man
im angloamerikanischen Raum einen Hochschullehrer mit einem PhD oder
einer Habilitation. In Österreich reicht dafür ein Magistertitel. So
billig dieser Professor zu erwerben ist, so hartnäckig wird er
verteidigt, denn nur er garantiert den Distinktionsgewinn gegenüber
Pflichtschullehrern. Gerade dann, wenn sonst kein Unterschied besteht;
gerade dann, wenn beide vor ähnlichen Kindern stehen und nach demselben
Lehrplan dasselbe unterrichten, sei es Integralrechnung, Biologie oder
Werken.
Womit wir beim dritten Hierarchiepaar sind: Handarbeiten
und Technik. Ersteres gibt es ja streng genommen gar nicht mehr.
„Technisches und textiles Werken“ heißt das Fach, und da wäre beides,
das Häkeln und die Laubsägearbeit, theoretisch auf gleicher
Hierarchiestufe vereint.
In unseren Köpfen schaut das jedoch
anders aus, auch in unserem Sprachgebrauch – und in den
Kollektivverträgen. Mit „Technik“ ist meistens die Metallindustrie
gemeint, ein IT-Betrieb, ein Werkzeugmacher oder eine Automobilfabrik.
Dort sind gut bezahlte Facharbeiter am Werk. Eine Textilfabrik oder
Näherei hingegen zahlt deutlich weniger. Weil „Handarbeiten“ weniger
wert ist als andere Arten Handarbeit? Weil man damit die häkelnden
Mädchen aus der Volksschule assoziiert? Oder warum sonst?
Das letzte Hierarchiepaar entlarvt sich an dieser Stelle beinahe von selbst. Die Handarbeitslehrerin (mit den kleinen Kindern) ist eine Frau, der Technikprofessor (mit den großen) ist ein Mann. Und so selbstverständlich der Unterschied zwischen ihren Geschlechtsmerkmalen, so selbstverständlich erscheint uns, dass der eine mehr verdient als der andere. Was die beiden tun, sei „nicht vergleichbar“, heißt es. Und wenn doch, dann geht der Vergleich immer zu seinen Gunsten aus.
Das letzte Hierarchiepaar entlarvt sich an dieser Stelle beinahe von selbst. Die Handarbeitslehrerin (mit den kleinen Kindern) ist eine Frau, der Technikprofessor (mit den großen) ist ein Mann. Und so selbstverständlich der Unterschied zwischen ihren Geschlechtsmerkmalen, so selbstverständlich erscheint uns, dass der eine mehr verdient als der andere. Was die beiden tun, sei „nicht vergleichbar“, heißt es. Und wenn doch, dann geht der Vergleich immer zu seinen Gunsten aus.
An
genau diesen vier Schieflagen hakt es – nicht nur in unseren Schulen,
sondern auch in unserer Arbeitswelt. So präzise wie Maria Fekter hätte
das keine Gender- oder Bildungsforscherin auf den Punkt gebracht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2013)
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