Dienstag, 15. November 2011

Bildungsvolksbegehren: Prammer will eigenen Ausschuss >> (DiePresse.com)

Das Bildungsbegehren könnte schon im Jänner im Plenum debattiert werden. Initiator Hannes Androsch fordert einen Bildungsgipfel, Unterrichtsministerin Claudia Schmied hält davon wenig.
Den nationalen Konsens in eine nationale Kraftanstrengung ummünzen: Das ist laut Hannes Androsch, Ex-SP-Vizekanzler und Initiator des Bildungsvolksbegehren, der nötige Schritt zur Umsetzung einer umfassenden Bildungsreform. Wenige Tage nach Ende des Volksbegehrens kündigte er ein "Vernetzungstreffen" mit Unterstützern und Weggefährten zur Planung der weiteren Schritte an rief und die Bundesregierung erneut zu einem "Bildungsgipfel" auf.

Das Volksbegehren sei lediglich eine "Zwischenetappe" gewesen - "wir werden dranbleiben, um sicherzustellen, dass die nötigen Reformen umgesetzt werden", so Androsch. Dass das Volksbegehren von den Nationalratsabgeordneten ernst genommen werden soll, betont er in einem Brief an die Klubobleute der Parlamentsfraktionen. Darin fordert Androsch einen eigenen Ausschuss, dem sowohl ein Gesetzesentwurf als auch ein konkreter Zeitplan zur Realisierung der im Volksbegehren aufgelisteten Zielsetzungen folgen soll.

Prammer für eigenen Ausschuss


Für einen eigenen Ausschuss hat sich auch Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ausgesprochen. Da es mit dem Unterrichts- und dem Wissenschaftsausschuss zwei Gremien gebe, die theoretisch in Frage kämen, würde sie zur Vermeidung von Streitigkeiten empfehlen, einen eigenen Ausschuss einzurichten. In diesem Fall wäre eine erste Lesung im Nationalrat zwingend vorgesehen. Das heißt, das Begehren würde wohl bereits im Jänner im Plenum debattiert, sobald das Innenministerium das endgültige Ergebnis übermittelt hat.

Sonntag, 6. November 2011

Mythos Begabung - Von Eva Novotny (Die Presse)

Das wahre „Talent“ der Genies besteht in der Bereitschaft, mit großem Einsatz aktiv zu lernen. Über „göttliche Unzufriedenheit“, „Vertikalspannung“ und was uns sonst noch antreibt, unsere Potenziale zu nützen. Hinweise zur hiesigen Schuldebatte.

Mit kaum einer Botschaft kann ich Menschen mehr verstören als mit der Eröffnung, dass alle Menschen alles lernen könnten – was aber auch heißt, dass alle Menschen alles lernen müssen. Wie besessen von der Idee angeborener Talente hängen sie an ihren vermeintlich schicksalhaften Vermögen ebenso wie an ihren Unvermögen. Dieser individuelle Hang trifft sich mit der Renaissance einer antiquierten Argumentationsfigur, der Naturalisierung von Differenzen. Biologismus ist wieder gesellschaftsfähig. Einem politisch verhängnisvollen Determinismus stehen allerdings aktuelle Forschungsergebnisse aus der Genetik, vornehmlich der Epigenetik, aus den Neurowissenschaften und aus der Sozialforschung entgegen.
Anders Ericsson machte in einer 30-jährigen Forschungsreise durch die Welt der „Talente“ unerwartete Entdeckungen. Nirgends stieß er auf „Naturtalente“. Ob Komponist, Ballkünstlerin, Romancier, Musikerin, Schachspieler oder Verbrechergenie, 10.000 Stunden aktive Beschäftigung mit dem Gegenstand scheinen erforderlich, um auf Weltklasseniveau zu kommen. So hatte Mozart im Alter von sechs Jahren bereits etwa 3500 Unterrichtsstunden bei seinem Vater absolviert. Zwischen der Gründung der Beatles und ihren bedeutendsten Alben lagen zehn Jahre. Michelangelo lebte vom sechsten bis zum zehnten Lebensjahr bei einem Steinmetz und ging bereits gekonnt mit Hammer und Meißel um, bevor er lesen und schreiben lernte. Als er mit 24 Jahren seine Pietà schuf, galt sie als Geniestreich. Er jedoch meinte: „Wenn die Leute wüssten, wie hart ich gearbeitet habe, um diese Meisterschaft zu erlangen, dann käme es ihnen nicht mehr so wunderbar vor.“
Das wahre „Talent“ der Genies besteht in der Bereitschaft, mit großem Einsatz aktiv zu lernen. Auch wenn es nicht unbedingt so aussieht, als würden sie studieren, oder wenn sie – was Genies gerne tun – leugnen, üben zu müssen.

Samstag, 5. November 2011

Wer sitzen bleibt, schweigt!


Liebe Kollegin! Lieber Kollege!


Mögen die manchmal sehr unreflektierten Glossen, Artikel und Statements in der gedruckten öffentlichen Meinung zum Thema Bildung in Österreich oftmals ermüden und heftiges Kopfschütteln auslösen, ist dennoch festzustellen: mit dem aktuellen Bildungssystem erhalten junge Menschen in Österreich nicht genügend Schlüsselqualifikationen, um sich dauerhaft behaupten zu können.
Vom 3. bis 10. November findet in ganz Österreich das "Volksbegehren Bildungsinitiative" statt. Von einer Arbeitsgruppe quer durch alle Ausbildungseinrichtungen, von den Kindergärten bis zu den Unis und Weiterbildungsstätten, wurde ein Forderungs-Katalog erarbeitet. Der SLÖ und die FSG unterstützten das Volksbegehren in seiner grundsätzlichen Absicht. Bewegung im Bildungssystem zu verhindern ist nicht in unserem Sinn.
Pädagoginnen und Pädagogen, die Profis der österreichischen Schule, setzen mit ihrer Unterschrift ein Zeichen für den Aufbruch zu einem besseren und gerechteren Bildungssystem für junge Menschen in Österreich. Das Volksbegehren Bildungsinitiative „Österreich darf nicht sitzen bleiben“ (VBBI) erzeugt mit Ihrer Unterschrift den Druck für die Bildungsreform.

Setzen sie mit ihrer Unterschrift ein Zeichen für die richtige Richtung!